Seit 3 Jahren habe ich es immer wieder versucht und wurde enttäuscht. 2017 sind wir bei starken Regenschauern vom Watzmannhaus abgestiegen, 2018 lagen am morgen 15cm Neuschnee (mitten im August!), und beinahe hätte es 2019 auch nicht geklappt, doch mit viel Glück konnten wir Sonntag früh einen Versuch wagen. Um 4 Uhr morgens lag ich wach, aufgeregt. Ich bereitete mich innerlich auf die Strapazen vor. Um halb 5 drehte ich mich zu Flo, der auch schon wach war: „Der Watzmann hat gerufen…“ flüsterte ich. Um 05 Uhr morgens verließen wir das Haus und traten in die dunkle Nacht. Mehrere Lichter von Stirnlampen waren am Steig bereits zu sehen.

Wir gingen im gemütlichen Tempo los. 10 Stunden bis zum Ziel: Wimbachgrieshütte auf der anderen Seite des Königs. Es war still, nur der kalte Wind zog ab und zu. Das Watzmannhaus funkelte in der Dunkelheit. Ein Wolkenmeer flutete das Tal und langsam dämmerte es: Einfach Gänsehaut! So früh am Morgen, bei 2°C waren die ersten 800hm hinauf zum Hocheck schon eine erste richtige Prüfung! Zunächst Wanderweg, aber schon bald konnten die Stöcke weg und der Helm auf. Leichte Passagen (I-) mussten immerzu gemacht werden. Ganz oben der Rampe (die nur die Hälfte des Weges zum Gipfel war), ein Kamin mit Drahtseil (A/B - Hochstieg), schon etwas kraxeln.

Der Himmel war bedeckt, doch brachen die ersten Sonnenstrahlen hindurch und schenkten uns Wärme und hüllten die Berge in magisches Licht. Hier oben war nichts mehr als Kalkgestein. Immer weiter hinauf zog sich der Weg wie Kaugummi: Immer entlang der Markierungen. Nach 2 Stunden erreichten wir das Hocheck: Der erste Watzmanngipfel. In der Biwakschachtel wärmten wir uns und machten etwas Frühstück. Es war jetzt 7 Uhr früh. Wir zogen unsere Hüftgurte und etwas mehr Kleidung an, und als es dann über die Holzbrücke zum Drahtseil ging, zögerte ich ein letztes Mal: War ich bereit für das? Ja, das war ich!


Wir konnten nichts mehr sehen: Eine Wolke am Berg, lies eine Sichtweite von 5 Metern zu. Ins Unbekannte hinein auf 2.700 Metern kletterten wir die erste sehr ausgesetzte Stelle. Diese zeigt schon schnell worauf es hier ankommt! Der Klettersteig (A/B – I+) führte immer entlang des Grats und bot immer wieder unversicherte Passagen. Man musste immer nach den Markierungen sehen um weiter zu kommen. Nach 45 Minuten klettern im Nebel tauchte plötzlich das Gipfelkreuz der Mittelspitze auf: Wir hatten den Watzmann bestiegen! Der höchste Punkt des Massivs war erreicht: Ein Schlückchen Scotch wurde geteilt.

Anmerkung: Es ist immer noch einfacher hier umzukehren und wieder abzusteigen. Bis zu diesen Punkt ist die Überschreitung noch relativ einfach. Wir zogen jetzt weiter zur Südspitze: Kraxeln. Dieses Mal aber noch etwas ausgesetzter und schwieriger. Mehrere Plattenquerungen, schmale Gratspuren und Kamine folgten (B – I+). Ein paar Stellen sind schon kniffliger, Fehler wären hier fatal. Viel Gegenanstieg! Die Wolken rissen jetzt auf und gaben uns endlich die volle Sicht. Der Hochkalter gegenüber war prächtig und der Blick (rechts) hinunter ins Wimbachgries schwindelerregend! Der Blick auf den weiteren Verlauf des Berges ist unglaublich beeindruckend: Was für ein Koloss!!


Wir mussten viele Höhenmeter absteigen um sie hinterher wieder hinauf zu klettern. Nach weiteren 2:30h erreichten wir dann die Südspitze! Hatten etwas über 5 Stunden gebraucht, sind aber sehr langsam und gemütlich, mit vielen Fotopausen gegangen. So ziemlich jeder hat uns überholt. Wir machten Brotzeit und genossen die wahnsinnig schöne Aussicht. Bis 11:30 Uhr saßen wir hier. Der Blick hinunter ins Tal verrat bereits was uns nun bevor stand. Auch wenn man sich freut, es „geschafft“ zu haben, ist einem noch gar nicht klar, dass das schwierigste noch bevorstand!

Dieser Abstieg war mit Abstand der Anstrengendste, den ich bisher gemacht habe!! Ganze 3,5 Stunden geht es zu 80% klettern und 20% Schotter / loser Untergrund hinunter. Man muss sich höllisch konzentrieren und vollen Körpereinsatz über die Zeit aufbringen. Dieser Weg bot echt alles auf was ich mir vorstellen konnte: Rückwärts Freiklettern, Schotterfelder, Matsch, steiler & sandiger Boden, bis nach ganz Unten. Ja bis zum Griesfeld runter! Wir brauchten hier ewig… sahen dafür aber 3 junge Steinböcke! Der erste Teil: Felskletterei. Hier konnte man sich sehr schnell versteigen, wenn man nicht die Markierung fand – Bis II im Abstieg.

Dann etwas rutschiger Schotter: Wer kann am besten im groben Geröll abfahren. Dann weitere Felskletterei: Stöcke wieder weg. Dann nochmal ein großes Schotterfeld zum Abfahren. Die Sicht auf die Berge rundum, vor allem ins steinerne Meer ist übrigens großartig! Die Graswiese ist dann super für eine Pause, rechts davon gibt es die erste Wasserstelle seit beginn der Tour. Nach dem Grasfeld geht es lehmig, kiesig und steil im Erdreich hinunter. Dann folgt die sogenannte „Sandrutsche“: Super steil und rutschig wie die Hölle: Mittels der dort installierten Kette kann man sich rückwärts vorsichtig ablassen.


Nach dem Sandigen teil noch ein letztes Steiles Stück und man steht auf dem Wimbachgries! Endlich! Wir haben 3,5 Stunden gebaucht… Über das Gries gings sehr gemütlich weiter bis zur Wimbachgrieshütte. Hier haben wir über 1 Stunde Pause gemacht und uns ein Brotzeitbrett gegönnt (das übrigens unverschämt teuer war, und nur 3 Scheiben Brot!) Um 17 Uhr brachen wir wieder auf um die letzten 10KM (2 Stunden) des Tals entlang der Wimbach zu wandern. Es geht zwischen Watzmann und Hochkalter durch ein schönes Tal hindurch: ein schöner Wanderweg! Nach ganzen 14 Stunden (19Uhr) waren wir dann schließlich wieder am Parkplatz. Was für ein Tag!!!
Tour Infos vom DAV: http://www.alpenverein.de/bergsport/sicherheit/sicher-wandern-und-bergsteigen/sicher-auf-den-watzmann_aid_14003.html