Großvenediger aus dem Virgental

Großvenediger aus dem Virgental

Kaj 08. August 2020 Hinterbichl

Großvenediger von Hinterbichl & Johannes Hütte (Süden)

Aufstieg: 2174 hm
Strecke: 24 km
SAC-Schwierigkeit: F / L

Eine besonders einfache Route zum Ziel ist über das Rainerkees von Süden aus. Von Hinterbichl im urig-alten Virgental in Osttirol gibt es einen Parkplatz auf 1.400m. Von dort kann ein Fliegertaxi zur Johannes Hütte genommen werden. Zu empfehlen ist der weitere Aufstieg zum Defreggerhaus um von dort dann mit 3 Std. Gehzeit zum Großvenediger zu wandern. Diese Tour hat keine schwierigen Stellen und der Gang über den Gletscher ist bei guter Schneeauflage nicht steil und problemlos. Eine vollständige Gletscherausrüstung ist aber notwendig!

 

Aufstieg zur Johannis Hütte (2.121m)

Eine längere Fahrt durch den Felberntunnel nach Osttirol bis nach Hinterbichl, ist die Vorrausetzung um die hohen Tauern von Süden her zu erreichen. Wunderschöne Dörfer liegen im Virgental. Hinter der letzten Ortschaft muss man eine scharfe Kehre fahren um zum Johannis-Parkplatz zu gelangen (5€ Gebühr). Von hier kann man entweder wandern oder man spart sich die ersten 2 Stunden und 750hm indem man das Hüttentaxi (11€ einfach) nimmt. Diese pendelt ohne es bestellen zu müssen zu jeder Stunde.

Wir wandern über die Brücke und entdecken dahinter einen Wanderpfad dem wir folgen. So müssen wir nicht über die staubige Schotterstraße marschieren. Nach einem steilen Pfadverlauf führt der Weg wieder zurück auf die Jeeppiste und folgt dieser nun ein paar Serpentinen hinauf – Die Aussicht ins Tal sowie auf die hoch aufragenden Berge wird immer besser. Hinter einer weiteren Brücke erreichen wir das Gumbachkreuz, einem Ort der Begegnung und der Kraft. Ab hier wird der Großvenediger in weiter Ferne auch erstmals Sichtbar.

Etwas weiter auf einer Wiese vor einer Schranke findet man mit etwas Glück Edelweiß. Weiter geht es über die Jeeppiste immer mehr auf den Berg zu bis man schließlich die Johannes Hütte erreicht. Ist Sektion Oberland, hat schöne Lager, eine Dusche, und freundliches Personal. Auf Anfrage haben wir auch ein Lunchpaket für unserer Tour bekommen. Der Vorteil der Hütte: es ist schön warm und gibt Sommerliegen auf der Wiese – der Nachteil: Zum Venediger muss noch der Aufstieg zur nächsten Hütte drangehängt werden.

 

Weg zum Defreggerhaus (2.960m)

Mit 5 Stunden Gehzeit zum Gipfel haben wir kalkuliert und brechen daher um 5 Uhr morgens in der Dunkelheit mit Stirnlampen auf. Über den Fluss drüber und dann immer weiter den endlosen Weg folgen. Weitere 800hm bis zum Defreggerhaus (gute 2 Stunden) sind es. Schnell wird das Gras dünner und immer mehr Schotter und Granitplatten bilden den Weg – Der Aufstieg geht stetig und scheint kein Ende zu nehmen. Das Sonnenrot ziert die Gipfel hinter uns und durch gewonnene Höhe überblickt man immer mehr Gipfel.

In der Ferne tauchen bald die Gletscher auf. Die mächtige Weißspitze thront dahinter. Unser Weg macht aber bald einen Knick nach Norden. Wenn man jetzt der Materialseilbahn etwas folgt erkennt man bereits die Hütte weit oben. Uff… noch ein ganzes Stück. Sind wir endlich angekommen sind gerade die ganzen Gruppen mit Bergführer draußen und abmarschbereit. Wir gönnen uns eine kurze Kaffeepause bevor es weitergeht.

 

Über das Rainerkees zum Gipfel

Wir verlassen die Zugspitzhohe Hütte und steigen weiter auf. Immer noch auf dem Wanderweg einige Höhenmeter weiter – doch erblicken wir bald das rießige Schneedach auf das wir bald treten. Bei einem Schild ist der Anseilpunkt erreicht. Hier Steigeisen und Hüftgurt anlegen. Dann geht es ein ganz kurzes Stück über Stahlklammern runter auf den Gletscher. Ich empfehle dringend ab hier am Seil zu gehen, da es doch ganz schön große Spalten unter dem Schnee gibt. In unserem Fall ist der Gletscher komplett Schneebedeckt und wir können einer guten Spur folgen.

Einige Gruppen sind vor uns, ein paar hinter uns. Der Schnee ist gegen 8 Uhr noch optimal verhärtet und in der Sonne geht es sich gut im T-Shirt. Die Landschaft wird immer herrlicher und es wird nie richtig steil. Doch ist es ein langer Hatscher über den Gletscher. Zur Rainertörl empor zieht es sich. Ist diese erreicht kreuzen sich hier auch andere Seilschaften der Pragserhütte von Norden kommend. Der Gipfel in der Ferne wirkt nun wie ein kleiner Schneehaufen, doch erkennen wir die Ameisenstraße an dessen Hang.

Hinter uns erblicken wir noch das Rainerhorn über das man optional auch zurückgehen kann (zum Hohen Zaun). Weiter hinauf zum Berg erreichen wir bald das letzte Steilstück, dass dann doch noch etwas Kondition verlangt. Hier kreuzt dann auch der Weg von der Kürsinger Hütte über die Venedigerscharte kommend. Nach genau 5 Stunden stehen wir dann am Großvenediger Gipfel, mit herrlicher Aussicht! Ein Wolkenband ziert den Norden bis nach Westen. Nur der Großglockner ragt mit seiner Spitze aus der Decke empor. Im Süden blicken wir auf das Tal aus dem wir gekommen sind, einfach ein erhabenes Gefühl.

Im Westen sind unglaublich eindrucksvolle Bergketten der Hohen Tauern zu bestaunen, wie z.B. den großen Geiger, die Dreiherrenspitze und Gipfeln des Zillertals. Den Abstieg gehen wir wie wir gekommen waren und können hier noch mals die unglaubliche Aussicht genießen. Bald brennt die reflektierende Sonne im Gesicht. Unterwegs entdecken wir noch eine große, offene Spalte die wir bestaunen. Mit kurzer Rast am Defreggerhaus geht’s dann wieder den ganzen Weg zurück zur Johannis Hütte. Ich muss sagen der zieht sich ganz schön und zum Schluss sind wir froh mit dem nächsten Hüttentaxi wieder runterzufahren.

 

Fazit

Eine leichte Hochtour die je nach Planung durchaus konditionell sein kann. Wer früh losgeht und sich fit fühlt, kann auch von der Johanni Hütte losgehen, da ist viel weniger los. Ansonsten Defreggerhaus. Auf dem Gletscher geht es gut, aber auch viel los!

Mehr Infos: https://www.johannis-huette.at/2015/06/12/tour-grossvenediger/

Aufstieg: 2174 hm
Strecke: 24 km
Höchster Punkt: 3662 m
Ausgangshöhe: 1452 m
Gehzeit: 8h 47min
Gesamtzeit: 10h 39min
SAC-Hochtour: F / L
Höhe: 3.000 m+
Detailbewertungen
Landschaft 5/5
Markierung 4/5
Bewirtung 4/5
Frequentierung 4/5
Kondition 4/5
Gefahrenpotential 3/5

Ziele dieser Tour

Bilder

Kommentare (2)

G
Gast#3915 19.07.2018 22:45

Sehr schöner Bericht der das Erlebte authentisch wiedergibt. Das erstellte Video ist sagenhaft und macht mir gerade wieder Lust nochmal dort aufzusteigen. Große Kompliment an Kaj, echt tolle Reportage. Viele Grüße aus dem Schwarzwald Florian

Kaj 20.07.2018 09:57

Vielen lieben Dank! :) Ja vielleicht seh ma uns ja mal am Berg!

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