Von Imlil zur Refuge Toubkal
Angekommen im kleinen Bergdorf Imlil haben wir uns erstmal 3 Schlafsäcke bei einem Händler gemietet. Die waren zwar ziemlich groß und schwer aber es hat uns n Appel und n Ei gekostet. Im Gästehaus Dar Mizik haben wir dann alles für die große Tour zusammengepackt.
Am nächsten Morgen sind wir gemütlich nach einem Frühstück mit Instant Kaffe gegen 09:30 Uhr losgezogen. Unsere Starthöhe lag bei 1.800m und wir waren inmitten der Vor-Altasberge. Ein paar Berge umringten uns, und die Sonne kam langsam hervor. Wir nahmen ein paar Serpentinen die Schotterstraße hinauf. Ein Guide führte 2 Leute auf einen anderen Berg über den Tizi Mzik Pass. Nach 30 Minuten bog die Straße nach Süden ab und gab eine fantastische Sicht auf die Giganten des Atlas frei!
Gebannt mit dem Blick auf die Berge wandelten wir die Schotterstraße weiter. Ein Blick nach links war aber ebenfalls lohnend! Ein weites Tal mit lauter kleinen Siedlungen bis hoch über ein fernes Joch. Dann tauchte die Stadt Armed vor uns auf. Ich habe noch nie ein so wunderschön angelegtes Bergdorf gesehen! Lauter kleine Häuser auf einem Steinbruch. Hinter Armed folgten wir der Straße weiter durch eine Gasse mit einem ersten Tourigeschäft und einem Teppichladen.
Immer wieder erstaunten wir über den Blick auf die schneebedeckten Rießen vor uns. Doch noch waren sie weit entfernt. Vor uns befand sich ein altes Flussbett, dass wir nun überquerten. Ab hier wurden auch Schleppesel angeboten. Die Esel werden hier zu Haufe genutzt, um schwere Rucksäcke und Gepäck zur Hütte zu transportieren! Wir verzichteten auf den Service und trugen unsere Deuter selbst. Am Ende des Geröllfelds begann der offizielle Wanderweg, der sich direkt bergauf schlängelte. (1:22h)
Der Wanderweg ist wunderschön und man bemerkt die kleinen Sträucher überall, sowie den immerbraunen, trockenen Fels. In der immer tiefer werdenden Schlucht unter uns befand sich der Fluss des Toubkals. Die Berge ringsum waren alle noch gewaltig hoch und dicht besiedelt von den besonders widerstandsfähigen Bäumen und Sträuchern. Am Fluss entdeckten wir eine ganze Horde Ziegen die den gegenüberliegenden Hang hinaufkletterten.
Nach kurzer Zeit kamen wir an einem winzigen Haus vorbei, das Cola verkaufte und etwas später kam der erste Orangenverkäufer. Dieser war sehr freundlich und bot uns einen Tisch an um uns frisch gepressten Orangensaft zu servieren. Da konnten wir nicht ablehnen. Machten eine gemütliche Pause!
Weiter am Weg, vorbei an einem roten Tor erreichten wir nach 2:30h eine kleine Siedlung mit verschiedenen Märkten. Hier befand sich ein gewaltiger Weißer Fels der sofort ins Auge fiel, da sonst kein weißes Gestein zu sehen war. Dieser ist auch ein Heiligtum des Nationalparks. Am Hang zur Rechten führt der Weg nun steiler hinauf. Ab jetzt machte man richtig Höhenmeter, da es nun kontinuierlich bergauf ging.
Wir bemerkten, dass wir dem Toubkal, der immer noch gewaltig und majestätisch vor uns aufragte, viel nähergekommen waren. Nach den ersten Serpentinen führte der Weg nun wieder direkt auf das westliche Tal des Berges zu. Man besteigt den Berg nicht frontal, sondern man erschließt zunächst die Westseite des Massives, wo man den Zustieg dann wagt. Auf 2.400m konnten wir nun die ersten Schneefelder sehen.
Der Weg zog sich ewig und man konnte kaum glauben noch immer 800hm vor sich zu haben. Die Letzen Bäume verschwanden nun und ein Blick zurück war verdeckt. Nach 4:00h erreichten wir einen letzten Laden mit aufdringlichen Cola- & Souvinierhändlern. Mittlerweile war der Weg auch echt stark überlaufen. Duzende Leute kamen uns entgegen oder waren hinter uns. Ein paar mit Turnschuhen und ohne Stöcke, andere hatten Steigeisen und Eispickel dabei. Immer wieder kamen uns Esel entgegen, einer trug einen Minitrolli mit sich. Warum zur Hölle???
Es war also viel Verkehr auf dem schmalen Weg. Der Schnee wurde immer mehr und immer dichter und an den Wänden des Massivs konnten wir große Vereisungen erkennen. Es wurde auch immer kühler und Zeit für die 3te Kleidungsschicht. Dann kam endlich der Übergang auf das Schneefeld. Hier blieben alle Esel stehen und wurden entladen. Den langen Rest des Weges mussten die Marokkanischen Läufer ran, die sich die ganzen Taschen auf den Nacken legten und durch den Schnee joggten, unglaublich!!
Schnell wandelte sich das Szenario zur totalen Winterlandschaft. Überall Schnee, soweit das Auge reichte! Eine Lawine ging vor kurzem über dem Wanderweg ab, wie man eindrucksvoll sah. Ganz weit in der Ferne konnte man die Hütten erkennen, die wie eine Ritterburg aussahen. Leider war es noch ein langer Weg und das Gewicht unseres Rucksacks drückte langsam!
Wir zählten die Höhenmeter und als wir dann die magische 3000hm Grenze überschritten, feierten Matthias und ich ein wenig, da wir noch nie auf so einer Höhe zu Fuß waren! Der restliche Weg quälte uns und ich ging langsam in die Reserven. Ziemlich erschöpft erreichten wir dann schließlich die beiden Hütten auf 3.200m nach insgesamt 5:30 Stunden, 1.363hm und 17km Strecke.
Und hier möchte ich einen Tipp weitergeben: Bucht auf jeden Fall nach Möglichkeit die Privathütte „Refuge Les Mouflons“, denn diese ist 10x so komfortabel und schöner wie die Andere! Und sogar günstiger glaube ich… Wir checkten in der kleineren „Refuge Toubkal“ ein, die vom französischen Alpenverein gegründet wurde. Für 2 Nächte inkl. Frühstück und Abendessen zahlten wir je 50€.
Hatten Lagerplätze in einem kühlen, steinernen Mehrbettzimmer, das wir mit einer großen Gruppe Spanier teilten. Achtung: Es gibt hier keine Decken! Deshalb die Schlafsäcke. Die Kissen waren etwas eklig aber ok, ein Fenster ging nicht zu, deshalb versiegelte ich es mit Panzertape. Im Keller gab es Wasser, dass man via Filter auch trinken konnte. (Nicht so trinken!) und es gab Duschen, von denen eine sogar warmes Wasser bot!
Am Checkin konnte man Trinkwasser kaufen und es waren 3 Holzöfen in Betrieb, die schön aufwärmten. Draußen hatte es vielleicht 5-10 °C. Abendessen gab es dann um 19 Uhr: Tagine und Tee! Kein Alkohol. Wir ratschten noch mit einem Franzosenpärchen und machten schöne Nachtaufnahmen draußen, bevor wir uns in eine kurze Nacht begaben.
Hochtour