Ellmauer Halt über Gamsänger

Ellmauer Halt über Gamsänger

Kaj 27. June 2015 Ellmau

Ellmauer Halt über den Gamsänger Klettersteig

Aufstieg: 1261 hm
Strecke: 17 km
Schwierigkeit: T4

Nach 2 Jahren kehrte ich zurück! Wir wollten mal wieder auf den höchsten Berg des wilden Kaisers: die Ellmauer Halt. Das Wetter war eher als unbeständig angekündigt, daher starteten wir bereits um 07:30 Uhr am Parkplatz der Wochbrunner Alm (Parkticket 4€). Die großen Zacken am gewaltigen Gebirgskamms des Kaisers und das große Ellmauer Tor waren imposant vor uns zu sehen.

Der Aufstieg zur Gruttenhütte (die noch einen schlechten Ruf hatte), ist mit 1:30h ausgeschildert. Über einen Forstweg gelangt man langsam nach oben. Man muss allerdings schon hier auf die Markierungen und Schilder achten, da oft der Weg geradeaus weiter zu gehen scheint, jedoch öfters abzweigt. Schon bald verlässt man die Baumgrenze und erhält den ersten schönen Blick nach Süden. Ab hier ist der Weg auf Schotter und Fels und nur leicht verwurzelt. Man steigt noch ca. 30 Minuten weiter auf und sieht schon bald die neue Gruttenhütte mitten auf einer grasigen Anhöhe, dahinter umringen die schroffen Kalkberge die Kulisse.

Den Ellmauer Halt mit seinen 3 Hauptzacken, erkennt man schon dahinter. Wir waren jetzt echt überrascht! Die Gruttenhütte war brand neu! Das alte ausgelagerte Schlafhaus war weg, stattdessen war die Hütte verlängert worden (mit einem Seminarraum) und die Außenfassade wurde erneuert. Außerdem gab es (zum Glück) einen neuen Pächter. Jetzt versorgten einem ein paar hübsche Damen und die Speisekarte ist wieder normal. Kann man also wieder sehr gut einkehren!

Während einer Pause zogen wie wild die Wolken zum Tor. Innerhalb nur weniger Minuten war alles bedeckt von dichten Wolkenschwaden. Wir gingen weiter in Richtung Halt (mit 2,5 Std. ausgeschildert) im Nebel. Der Wanderweg verläuft linker Hands des Gruttenkopfs entlang und hat immer wieder Felsige Hindernisse. Dann erreicht man das berühmte Felsfeld, wo rießige Steinbrocken in einem kleinen Tal verteilt liegen und man jetzt direkt vor der Wand des Berges steht. Es war bedeckt von einem großen Schneefeld. So konnte man das Feld eigentlich ganz angenehm überqueren.

Jetzt gings ins KS-Set und rauf auf den Steig, der zunächst nur mit wenigen Kletterstellen und Eisen klarkommt. Der Weg verläuft von der Ostseite der Wand zur Westseite. Nach einer Weile kam dann ein weiteres, kleineres Schneefeld. Ich wollte zuerst darüber gehen, bis ich dann am Rand von einer unpassierbaren Randkluft überrascht wurde. Also sind wir drumrum geklettert...  Hat etwas Zeit gekostet

Weiter gehts jetzt über den Drahtseilversichten Steig immer weiter bergauf (A/B). Die Sicht zurück und hinunter auf das Schneefeld ist beeindruckend abschüssig. Der Weg kiesig und rutschig und manchmal ausgesetzt. Nicht ungefährlich! Man muss wirklich Trittsicher sein und lieber langsam und konzentriert gehen. Ein paar Trailrunner in so Speedcross Schuhen joggten an uns vorbei. Ich kann nicht glauben, dass Leute mit solchen Schuhen hier auf so einem ausgesetzten Klettersteig joggen gehen... aber gut!

Der Nebel wurde leider immer dichter und die Sicht daher schlechter. Als wir nun an der Westseite der Wand angekommen waren, begann der richtige Spaß! Der Steig geht jetzt nach Norden hinauf zum Joch. Über Eisenbügel in der Felswand gehts rauf (B). Geht ganz gut, an 2 Stellen drückt die Wand etwas weg. Oberhalb verläuft der KS nun etwas schwieriger (B & I+) also teilweise ungesichert. Das geht rauf super, aber man muss ja auch wieder runterklettern, was dann schon eher eine Herausforderung ist.

So geht es eine ganze Weile weiter, bis man die Drahtseilkreuzung erreicht. Wir entschieden rechts über eine Rinne (B/C) hinauf zusteigen um dann beim Abstieg über die leicht überhängede Leiter in die Schlucht (B) abzusteigen. Weiter oben taucht die Biwakschachtel auf. Kurz was ins Büchle geschrieben und die letzten 5 Minuten Klettersteig zum Gipfel genommen. Es war jetzt richtig kalt geworden! Und wir hatten 0,0 Sicht. 

Habe mir hier mal den Kaiserschützensteig Ausstieg angeschaut, da ich den als Nächstes machen würde. Am Gipfel haben wir nur wenig Pause gemacht. Es gibt hier kaum Platz zum Stehen / Sitzen, da man mehr auf einer abschüssigen Platte steht. Nach dem Gipfel-Selfie gings zurück. Beim Abstieg ist die allerhöchte Konzentration gefragt, da oft ungesichterte Stellen dabei sind und man oft einfach keinen Tritt findet. Man sollte den Steig nicht unterschätzen. Wir kletterten jetzt über die Leiter in die Schlucht.

Und dann alles wieder rückwärts runter. Immer wieder ein Rätsel, wie man am besten greift und wo man tritt oder auf Reibung geht. So lernt man schon was übers Klettern am Fels. Über die Eisenbügel gings dann auch wieder rückwärts runter. Dahinter muss man auf den großen roten Pfeil achten, denn man läuft automatisch geradeaus und das ist falsch. Das Wetter klarte jetzt wieder auf (wie gemein!) und die Sonne kam auch mal raus.

Die Kletterei zurück zieht sich noch lange und man verliert immer mehr Kraft und Konzentration. Das macht den Absteig schon etwas ermüdend. Irgendwann ist man auf dem Schneefeld und dann wieder auf sicherem Gelände. Noch mehr Trailrunner... Hier mal ein Tip an euch: Wenn ihr schon meint der Berg könne euch nichts, zieht wenigstens einen Helm auf! Denn egal wie schnell man ist, hilft einem beim Steinschlag von oben dann auch nicht mehr viel. Wir erreichten die Gruttenhütte und machten eine ausgedehnte Pause. Hatten heute 2,5 Std. rauf und 2 Std. runter gebraucht!

Wir gingen jetzt den einfacheren Weg über den Ellmauer Steinkreis runter. Dies war auch der Weg für die Jeeps der Gruttenhütte. So zog sich der Weg zwar etwas länger aber war deutlich angenehmer im Abstieg, besonders nach den fast 4 Std. im Klettersteig. Etwas idylle und Sonne zum Schluss.

 

Fazit

Finde ich selbst habe den Berg schon wieder unterschätzt. Nach 2 Jahren ist es immer noch eine wirklich fordernde Bergtour die man nur bei besten Bedingungen machen sollte. Trittsicherheit und keine Höhenangst sind sehr wichtig. Ein Klettersteigset ist sehr zu empfehlen, auch wenn man es beim Aufstieg evtl. nicht verwendet, ist es beim Abstieg dann doch besser! Wunderschöne Tour allgemein, da es ein wirklich schöner Berg ist und man einfach mitten im wilden Kaiser steht. Gruttenhütte ist auch wieder super!

Alternativere Route über den Kaiserschützensteig: /touren/kaiserschuetzensteig-ellmauer-halt

Weiteres Video von 2015

Mit Basti & Thaddäus - Endlich schafften wir es hinauf! Für meine damaligen Berg-Kenntnisse schon ein überwältigendes Erlebnis. Gerade mal als Klettersteig Anfänger ohne sonderliche alpine Erfahrung war dies schon eine echte Herausforderung. Hier hab ich das frei klettern zum ersten Mal geübt. Aufstieg wie Abstieg.

Aufstieg: 1261 hm
Strecke: 17 km
Höchster Punkt: 2302 m
Ausgangshöhe: 1080 m
Gehzeit: 5h 17min
Gesamtzeit: 8h 44min
Schwierigkeit: T4
Höhe: 2.000 m+
Klettersteig: A/B
Detailbewertungen
Landschaft 5/5
Markierung 5/5
Bewirtung 4/5
Abenteuer 4/5
Frequentierung 3/5
Kondition 4/5
Gefahrenpotential 4/5

Ziele dieser Tour

Bilder

Kommentare (1)

Paterico 30.11.-0001 15:07

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