Wir sind bereits 1.150hm mit unseren 12kg Rucksacken aufgestiegen, doch würden noch weitere 800 bevorstehen! Jetzt kommt ja erst der Hauptakt: Der Klettersteig und die Zentral-Gipfel des wilden Kaisers. Außer dem Pärchen & einem einsamen Bergführer war sonst keiner mehr hier. Der Klettersteig ist ziemlich lang und geht (vor allem nach so einem Zustieg) gut in die Ausdauer, ist aber technisch nicht so schwer. Er hat ein paar B/C Stellen und 2x kurze C Stellen, allerdings gibt es viele ungesicherte Steigstücke die je nach Route bis I- bewertet sind.

Der Einstieg ist ziemlich entspannt. Von den sogenannten Haltplatten wird man oft gewarnt (1-) aber ich finde sie nicht so wild. Wer Trittsicher ist kommt da bedenkenlos drüber. Dann kommt das Band, etwas B Kletterei um die Wand herum und man landet dann am Fuße der grünen Rinne. Eine Kluft zwischen dem kleinen Halt und dem Gamshalt. Hier ist man dem ersten Gipfel schon deutlich näher. Aber jetzt geht’s wieder lang in Spitzkehren bergauf. Es wird online berichtet von steilen Grashängen: Das kann ich ebenso entschärfen: ist insgesamt nur wenig Gras hier und gut über nicht allzu steilen Schotter/Fels gehbar. Ist nie schwerer als 1-

Ist man irgendwann an der Markierung, kann man sich überlegen den kleinen Halt noch mitzunehmen. Sieht sehr nah aus, kostet aber doch noch etwas Anstrengung und gute 40 Minuten! Wir nehmen ihn mit und erhaschen somit schonmal einen richtig tollen Blick: Ein Wolkenmeer zieht langsam von Norden her ein ins Kaisertal. Unter uns kann man das Stripsenjoch sehen und die Kopftörlscharte hinter den ganzen imposanten & spitzen Zacken des Kaiser-Kamms. Der Rückweg zur Kreuzung ist durchaus steil & rutschig: viel loser Untergrund und Schotter und 1er Kletterei.

Dann geht es weiter bergauf, durch die Rinne und dann über die erste kurze C Stelle (eine trittlose Querung) auf den Schutt. Hier geht mir jetzt meine erste Wasserflasche aus. Ich bemerkte, dass ich insgesamt zu wenig Wasser für 2 Tage dabei habe, also stopfe ich sie voll mit Schnee. Der Steig verläuft jetzt entlang der Gamshalt-Wand nach Osten hin, bis man wieder in das Schuttfeld vom KS-Einstieg blickt, dann etwas bergab steigt und anschließend führt er in das letzte Plateau. Jetzt bemerken wir unsere Erschöpfung!

Wir haben schon 2.000hm gemacht und sind seit 7:30 Uhr unterwegs. Mit den 12kg Rucksackgewicht (Schlafsack, ISO Matte, Essen, Wechselkleidung, etc.) merken wir die Schwäche. Bei Flo und mir gleichermaßen! Wir machen kleinere Schritte und viel mehr Pausen und sind dadurch jetzt sehr langsam. Es sind nur ein paar Kehren durch das (vermeidlich) steile Grasfeld hinauf zum Kamm, aber die quälen uns jetzt schon! Doch der Anblick der Rückseite vom Ellmauer Halt vor uns motiviert uns wieder! Oben an der Markierung stellen wir unsere Rucksäcke ab und gehen noch schnell links zum Gipfel vom Gamshalt.

Der ist wirklich unproblematisch und in nur 10 Minuten locker drin! Es sind kaum HM dorthin mehr zu machen. Vom Gamshalt hat man einen tollen Blick entlang des schmalen Berggrats zum Hauptgipfel. Und das Wolkenmeer hat inzwischen das gesamte Kaisertal bedeckt. Es ist bereits 15 Uhr, und wir kehren um. Hier passiert es dann: auf dem ganzen losen Geröll kommt ein Stein ins rollen und steuert genau auf die einzigen Leute hinter uns zu. Ich rufe wie verrückt, dass der kommt, aber die beiden erstarren.
Hinweis: Es ist natürlich richtig, dass man durch Trittsicherheit und Vorsicht weniger Steine lostritt. Allerdings ist es je nach Steilheit und Gelände manchmal unvermeidlich, dass ein Stein ins Rollen gerät. Das ist einfach ein Bestandteil alpiner Gefahren und damit muss immer gerechnet werden! Deshalb, liebe Leute, tragt einen Helm im Steig!
Der Stein trifft die Frau am Oberschenkel und wir hören einen Schrei. Schnell steigen wir mit 1st Aid-Kit zu den beiden ab. Zum Glück nicht mehr als ein blauer Fleck und sie kann noch gut weitergehen. Wir erzählen den beiden vom Notbiwak und dass sie lieber die Bergwacht rufen sollen als etwas zu riskieren, aber scheinbar sind sie dann noch problemlos zur Gruttenhütte abgestiegen.

Weiter im Text: Das letzte Stück geht wieder an den Klettersteig. Wir bemerken jetzt, dass auch die Konzentration nachlässt. Wir beten einfach, dass in der Biwakschachtel noch genug Platz für uns ist, denn andernfalls müssen wir noch 2 Stunden über einen Klettersteig absteigen. Über die letzte C-Stelle geht es hinauf zum Gipfelkreuz vom Ellmauer Halt. Eine andere Gruppe tritt hier gerade eine ganze Steinlawine los, zum Glück abseits vom Klettersteig. Starke Steinschlaggefahr in diesem Terrain!
