Wir wissen, es müssen ganze 1.500hm noch abgestiegen werden, aber wir haben irgendwie geglaubt, dass wir relativ schnell runterkommen würden. Aber nein, der Abstieg ist schon eine Tour für sich. Wir wählen den Prager Weg, da dieser der einfachere von Zwei sein soll (aber ich glaube die beiden nehmen sich nicht viel). Zumindest mit einem Wanderweg hatte das wenig zu tun. Direkt nach der Hütte geht es schon über Stahlstifte an die erste Steilstufe.

Rückwärts runter, kein Drahtseil. Ist man schließlich auf dem großen, weiten Plateau voller Schneefelder, geht es als Wanderweg weiter. Immer wieder ein Stück über Schnee nach Norden. Es ist schon ein ganz schön langes Stück auf dem plattigen und beeindruckenden Gebiet. Hier entdecken wir auch schon das erste Steinbockjunge. Dieses führt uns nun an bis zur „kante“ (also der Steilwand hinunter ins Tal). Zunächst geht es über ein großes Schotterfeld zur nördlichen Felswand und dort weiter (man kann hier das Feld abfahren, wenn man zum Prager Weg will). Irgendwann kommt die Kreuzung der beiden Wege, wir gehen links, bergab.

Hier entdecken wir nun die große Steinbock-Familie. Ein paar Größere mit ihren Jungtieren. Da sie auf einem Vorsprung lagern können wir nah genug ran für ein gutes Foto. Das Highlight des Tages!

Doch dann beginnt er, der lange Steig hinab (ab hier Helm). Es ist eine unendliche Geschichte von Stahlstiften. Unzählige Male packen wir die Stöcke wieder ein um rückwärts zu kraxeln und dann wieder aus, weil der Wanderweg kiesig und steil ist. Eine steilere Wand mit Drahtseil kommt irgendwann (B). Aber sonst keine KS Elemente mehr. Jedoch sind fast alle Wände im Abstieg über Stahlstifte ohne Drahtseil und teilweise nicht für Anfänger geeignet. Wer also einen reinen Wanderweg runter sucht, muss wohl nach Süden absteigen.

Nur langsam kommt das große Tal näher und auch wenn man glaubt endlich kein Fels oder Eisen mehr anfassen zu müssen und zu wandern, kommt wieder etwas. Tatsächlich kommen noch einige Kraxel-Stellen ganz unten, kurz vor dem Fluss. Aber dann ist es geschafft! Erstmal nackt ins Wasser gesprungen, da es wieder so ein 30°C Tag ist. Nach der Erfrischung müssen wir nur noch chillig den Wanderweg im Tal bis zum Parkplatz wandern. Das sind dann ca. noch 30 Minuten. Die Hütte im Tal lädt hier noch auf ein Bierchen ein. Wir stoßen an auf die erfolgreiche Tour!
Fazit
Der Triglav ist ein nicht zu unterschätzendes Bergziel und konditionell mindestens so anspruchsvoll wie die Zugspitze, technisch sogar schwieriger. Der Bamberger Weg ist ein purer Genuß, aber für jemand geübten kann ich das Klettersteigset nicht empfehlen, da nur wenig Drahtseil kommt. Bei Hitze sollte man früh los und viel Wasser mitnehmen. Die Kraxelei, die Höhe und die Länge der Tour machen die Tour durchaus anspruchsvoll. So oder so: Der Triglav ist eine unglaublich schöne und eindrucksvolle Bergtour mit allen Facetten. Ich finde Kraxeln sollte man können und mit Höhenangst sollte man den Berg auf keinen Fall besteigen wollen.
Mehr Infos zur Tour mit Bamberger Weg: https://www.verticalextreme.de/blog/triglav-bamberger-weg-klettersteig/
Webcam: https://www.bergfex.at/sommer/bled/webcams/c15772/