7km - 1.100hm - 5 Std. / Abstieg: 12km - 2.100hm - 4 Std.
Der Schlüsseltag! Er sollte aus mehreren Gründen nachts starten: 1. Man schläft eh eher kurz und geht früh zu Bett 2. Der Tag wird lang und anspruchsvoll 3. Nachts ist die Motiviation besser (da man nicht sieht wie weit es wirklich ist) und 4. die intensive Sonne nicht da 5. der SONNENAUFGANG am Gipfel!
Gegen 1 Uhr nachts gehts aus dem Bett und erstmal in die Küche wo es einen Kaffe und Frühstücks Popcorn gibt (kein Richtiges da es der Magen jetzt nicht vertragen würde). Mit heißem Tee und viel Proviant und Stirnlampe aufm Kopf machen wir uns jetzt nur zu Zweit auf den Weg. In der völligen Dunkelheit wirkt der Berg irgendwo doch bedrohlich auf mich - ein Aufbruch ins ungewisse sozusagen. Wir wandern langsam auf den Bergrücken zu an dem es im immer noch sehr buschigen Gelände mit Serpentinen 200m hinauf geht. Dann oben stehen wir auf blankem Fels. Entlang einer Kette gehts auf die erste Anhöhe der Caldera: Dem Rhino Point. Ab hier geht es nur noch an der Kluft des Kraters entlang - wenn auch mehr am Bergrücken als direkt am Grat. Vom Rhinopoint kann man schon Teile von Arusha leuchten sehen. Es ist eine warme Nacht, ich kann noch immer im Pulli wandern trotz des Windes.


Arusha bei Nacht
Vom Rhinopoint gehts jetzt ein gutes Stück sehr steil und alpine zur Schlüsselstelle: Einer Wandquerung die mit einer losen Eisenkette zum festhalten gesichert wurde. Hier ist Tirttsicherheit und Schwindelfreiheit eindeutig gefragt! Man ist auf alpinem Gelände unterwegs - die Vegetation ist jetzt weg: Nur noch schwarzer Sand und blanker Fels. Nach den schwierigsten Kraxelstellen geht es wieder gemütlicher weiter. Entlang der Caldera auf dem schwarzen Sand immer schön bergauf. Ich merke dass mein Guide mich bewusst im Tempo bremst und wir auch sehr langsam aufsteigen. Auf 4.000m angekommen weiß ich, dass es noch weitere 600hm sein werden und es ist halb 4. Der Weg führt von einem Krater"gifpel" zum nächsten immer bisschen abstieg und dann wieder Aufstieg entlang des Bergarmes. Wieder im Felsgelände machen wir eine Pause.

Die Schlüsselstelle
Im Norden liegt Kenia - hier sieht man schwach die Lichter der Ortschaften und Siedlungen unendlich weit unter uns. In der Ferne tobt ein wildes Gewitter und unter uns zieht langsam ein Wolkenmeer auf. Es ist mucksmäuschen still und ab und zu hört man den Donner. So sitzen wir am Mt. Meru mitten drin - ein so unwirkliches Gefühl! Es ist teilweise echt gruselig. Die gewaltige Dominaz des Berges ist ja deutlich zu spüren, sehen tun wir aber praktisch nichts. Ich genieße ein paar Atemzüge dieses unglaublichen Momentes bevor wir weiterwandern. Es ist immer noch weit - die Höhenmeter gehen immer schwerer und langsamer voran. Wortkarg gehts mit vielen kleinen Trink und Atempäuschen weiter. Nach einer Ewigkeit erreichen wir einen Funkmasten oder sowas in der Art. Und ich hab gedacht es könnte schon der Gipfel sein... Leider nein!

Zaghaft und Langsam im letzten Aufstieg
Denn das schwerste kommt jetzt: Der eigentliche Gipfelaufbau ist nämlich noch gute 300m hoch und so richtig gewaltig! Hier gehts jetzt nämlich weglos mit hohen Tritten, und schweren Passagen undwegsam weiter. Die grünen Markierungen an den Felsen sind kaum von der grünlichen Verfärbung von Schwefel zu unterscheiden und in dern Dunkelheit muss man echt suchen. Oft bleiben wir stehen und suchen den richtigen Weg. Es zeigt mir schon deutlich die Gefahr hier: Man kann sich wahnsinnig schnell versteigen: Alles sieht nach dem richtigen Weg aus, ist es aber oft nicht. Der Fels ist pechschwarz und kleine Schneereste liegen dazwischen. Diese Verirrungspartie kommt mir unendlich lang vor uns mit der Zeit spüre ich auch deutliche Erschöpfung und hoffe den Gipfel nach jeden 10 Meter Anstieg endlich zu erkennen. Aber erst als man plötzlich Arusha vor sich strahlen sieht, ist man da: Nach 5 Stunden am Mt. Meru - und zu den besten Bedinungen!


Die Glücksgefühle übermannen mich schnell als ich begreife was ich hier sehe: Es ist mit der Daunenjacke nicht zu kalt, die Sonne geht in den nächsten 15 minuten auf und die Sicht ist eingiermaßen klar. Ich umarme meinen Guide und als ich meine Musik einschlate kommen mir die Tränen: Allein hier oben und ein perfekter Sonnenaufgang - man muss auch mal dankbar sein! Als sich der Horziont rot färbt, fühlt man sich wie bei König der Löwen mit dem afrikanischen Morgenrot. Der Kili ist klar zu sehen, auch wenn er von Wolkenbändern umschleiert ist. Die Sonne bestrahlt das ganze Land unter meinen Füßen und ich sehe wie sich direkt vor mir der Berg Tausende Meter in die Tiefe führt und ganz dort unten sehe ich den Dschungel. Die Saddle hut schimmert weit entfernt und ich begreife wie weit wir gewandert sind. In der mitte der Umarmung befindet sich ein großer grüner Kraterberg (Quasi Berg in Berg...) - alles sieht so unglaublich aus! Hier oben ist es außerdem höchstalpin! Eine Überschreitung ist gar nicht denkbar...

Nach vielen Fotos und unglaublichen Momenten steigen wir wieder ab. Der Berg gehörte heute nur mir, denke ich mir im Abstieg. Mit der Sonne kommt aber jetzt auch die Erkenntnis - über die Entfernung die jetzt wieder zürckgegangen werden muss... uff. Wir kraxeln wieder ab und ich staune über den Nordhang der wie eine endlose, runde Rampe nach unten ins Nirgendwo führt. Über den gleichen Weg geht es immer weiter bergab und immer weiter auf den Rhino Point zu. Immer wieder drehen wir uns um und schauen auf den gewaltigen Berg und die Umarmung. Das schlimmst kommt dann zum Rhino point: ein ganz schöner Gegenanstieg über die Schlüsselstelle und der Kette nochmal 100hm bergauf. Einfach nur mega Anstrengend jetzt - sofort schnaufe ich wie verrückt. Vom Rhinopoint ist es dann zum Glück nicht mehr so weit.

Die weichen Westhänge

Der Verlauf der Caldera und des Nordarmes
Zurück an der Hütte (gegen 9 Uhr) werde ich mit Sekt und Kuchen empfangen. Die Gruppe singt und Klatscht und feiert den schönen Gipfelsieg mit mir - Kann es noch toller werden?? Dann gibts erstmal 1,5 Stunden Schlafenszeit bevor es dann ein Mittagessen gibt und anschließend an den weiteren Abstieg geht. Es stimmt zwar, dass man bereits 7,5 Stunden unterwegs war und jetzt nochmal 1.000hm Abstieg klingen hart, ABER Eine Stunde Schlaf und ein Mittagsessen wirkt wahre Wunder, ich habs selbst nicht glauben können - ich fühlte mich sogar erholt genug für den ganzen Abstieg. Naja.... bei der Hälfte des Weges runter war ich dann schon froh nur bis zur Miriakamba gehen zu müssen. Ich mag die Hütte eh voll gern! Nach guten 2 Stunden sind wir dann auch schon unten und die Knie tun gut weg und die Füße brennen - genug für heute! Geschafft!
