Hierbei handelt es sich um die längste & einfachste Variante auf den Berg zu gelangen. Es ist mit über 24km (2.100hm - 10 Stunden) eine enorm lange Wanderung. Jedoch ist der Weg sehr einfach und geht lange durch Klamm & Wald an vielen Almen vorbei. Diese Route ist klassischer Weise mit Übernachtung zu planen, dafür aber (bis auf den Gipfelsteig) einfach begehbar und recht schön!
Es sollte doch nochmal versucht werden dieses Jahr: Auf die Zugspitze steigen. Leider war klar, dass es nicht so ganz einfach werden würde, da es über das erste Septemberwochenende bis auf 1600m runtergeschneit hatte und auch für den Sonntag schlechtes Wetter angekündigt war. Von den ursprünglichen 60 Zusagen in Facebook starteten wir zu 9t an der Skisprungschanze in Garmisch. Es regnete in Maßen und es war ziemlich kalt.
Eine prima Truppe, darunter sehr erfahrene aber auch ein Bergneuling! Besonders schön war, dass wir alle so ziemlich dasselbe Tempo hatten und daher wirklich zusammenblieben und schnell vorankamen. Schon am Anfang jedoch die erste Überraschung: Die Partnachklamm war geschlossen, wegen Hochwasser. Zu viel Schnee und Regen kamen vom Berg runter… Deshalb mussten wir einen kleinen Umweg nehmen, der uns zunächst bergauf zur Partnachalm führte. Wir brauchten ca. 30 Minuten bis dort rauf und wurden schnell war. Langsam ließ der Regen nach und war mehr ein leichtes Nieseln.
Dann führte uns der Weg zur Bockhütte eine Ewigkeit aber entspannt durch den Wald ohne besonderen Anstieg. Der Regen verschwand jetzt komplett und die Wolkendecke verdünnte sich, sodass wir die gewaltige Wand der Alpspitze sehen konnten. Gegen 10 Uhr (also nach 2 Stunden) führte uns der Weg wieder zur Partnach zurück, die unter uns in einer Schlucht bergab donnerte. Nicht weit danach erreichten wir schließlich die Bockhütte, wo wir uns eine kleine Pause mit Tee und Kaffe gönnten.

In der Ferne sahen wir zum ersten Mal die Sonne! Die Wolken rissen dort auf und gaben den Blick auf die verschneiten Berge am Zugspitzmassiv frei. Sie lagen noch weit in der Ferne. Wir zogen weiter und verloren uns total in Gespräche. Stunden lang liefen wir immer leicht bergauf den Forstweg entlang und gewannen langsam an Höhe. Die Berge rückten immer Näher und irgendwann sahen wir schöne Wasserfälle und waren umringt von hohen Bergwänden.

Der Weg führte langsam hinaus aus dem Wald bis wir schließlich die hohe Wand des Zugspitzplatts erreichten und die Reintalangerhütte auftauchte. Damit hatten wir das Ende des Reintals erreicht. Wieder gab es Kuchen und ein Getränk zur Stärkung. Wir zogen jetzt die Garmaschen an. Kaum wollten wir weiter, kam endlich die Sonne raus. Alle waren happy und so schritten wir voran und überschritten endgültig die Baumgrenze. Der Weg ging etwas durch Nadelsträucher zwischen Gabelungen der Partnach bis man vor der hohen Wand steht. Hier ging es jetzt zur Sache: Noch weitere 600hm warteten auf uns.
Wir stiegen auf und kamen ins Schwitzen, doch die schöne Umgebung aus verschneiten Bergen und dem weiten Blick zurück ins Reintal belohnte. So langsam wurde es frischer und wir marschierten durch den ersten Schnee. Dann ging es sehr schnell, schon bald standen wir mitten im Winter und mussten uns die Wege suchen. Anhand der roten Markierungen konnten wir uns zum Glück super orientieren. Doch war der Weg nicht mehr erkennbar.
Dann kamen wir in eine Wolke und ein Eisregen begann. Jetzt waren wir total gefangen in Schnee und Nebel. Noch ein paar anstrengende Serpentinen durch den Tiefschnee und dann tauchte die Hütte endlich auf. Wir waren am Tagesziel, der Knorrhütte angelangt. Dort gab es eine warme Dusche & einen warmen Trockenraum. Wegen des schlechten Wetters war die Hütte nicht voll allerdings waren trotzdem viele Leute da. Hatten 2 eiskalte Zimmer mit vernünftigen Betten und extra Decken. Das Essen in der Hütte war allerdings ziemlich schlecht, wobei die Kaasspatzen noch gingen. Wir hatten einen süffigen Abend und machten schöne Nachtaufnahmen.

Morgens wurde ich von Blasmusik aus Bennis Handy geweckt. Es war richtig kalt im Zimmer, deshalb ging es schnell in die Hose. Gegen 09 Uhr sammelten wir uns Startklar mit Grödel, Schneeschuhen und kompletter Wintermontur auf der vereisten Terrasse. Die Sonne strahlte herrlich! Ringsum herrschte tiefer Winter und ewiger Schnee. Man konnte bereits bis zu den Knieen im Schnee versinken. Benni spurte mit den Schneeschuhen vor und wir folgten ihm.
Der Weg von der Knorrhütte zur Zugspitze war mit 3 Stunden ausgeschildert, doch brauchten wir locker 2 Stunden bis zur Sonnalpin. Wir liefen immer weiter bergauf durch den Schnee über das weite und beeindruckende Zugspitzplatt. Es war unbeschreiblich schön! Eine Schneelandschaft die nur durch die gewaltigen Berge ringsum eingegrenzt wurde. Je höher wir stiegen, desto gewaltiger wurde die Landschaft. Irgendwann konnte man die Alpen südlich von uns erblicken. Mit Herbst hatte das alles wenig zu tun. Dann die Gabelung zum letzten 500hm Aufstieg zur Zugspitze. Über uns thronte die gewaltige Bergstation deren Berg völlig verschneit war. Und das Problem: Der Weg hinauf war nicht gespurt! Wir gingen zunächst zur Sonnalpin und entschieden, wir würden es zumindest versuchen.
Wir aßen etwas und legten ein paar Sachen ab um Gewicht zu sparen. Benni blieb bei der Station und lieh uns die Schneeschuhe. Die Melanie übernahm die brutale Aufgabe des Vorspurens und ging mit den Schneeschuhen voran. Es war eigentlich reiner Wahnsinn was wir hier versuchten. Durch den unberührten Tiefschnee schritt sie voran und versuchte am steilen Hang Serpentinen zu schlagen. Alle anderen folgten der frischen Spur. Sehr langsam und schwergängig ging es immer weiter langsam bergauf. Gerade als wir das Schneefernerhaus passierten und schon vor uns die Markierung und das Drahtseil für den letzten Aufstieg sehen konnten, rief ein Mann zum Fenster hinaus, das wir sofort umkehren sollten, da der Hang bald abggehen würde. Die Lawine war also nur eine Frage der Zeit.
So schnell es ging, liefen wir wieder zurück und ich verlor dabei einen Grödel. Wir waren sehr traurig aber auch froh, dass wir gewarnt worden sind. Leider entdeckten noch andere Wanderer die frische Spur und versuchten es ebenfalls, bis sie merkten, dass die Spur endet und dann ebenfalls umkehrten. Wir fuhren jetzt mit der Seilbahn zum Gipfel und steckten da oben in der Wolke. Viel konnten wir nicht sehen. Dann schauten wir uns den Weg an von dem wir gekommen wären und stellten fest, wir wären so oder so umgekehrt, denn durch den Schnee war der Aufstieg komplett unmöglich.

Wir tranken und aßen noch etwas bevor es wieder runterging und per Zugspitzbahn ging es dann um 16:30 dann durch den Berg hinunter. War total begeistert von diesem Tunnel durch den Berg! Als wir dann in Garmisch waren liefen wir noch ein Stück weit an der Partnach entlang durch die Stadt (am biologischen Lehrpfad) bis wir wieder an der Skisprungschanze ankamen. Was für ein Tag!

Fazit
Leider diesmal den Berg nicht bestiegen, jedoch nicht wegen fehlender Kraft sondern aufgrund der Schneelage. Trotzdem war es eine lange und unvergessliche Reise durch das Wettersteingebirge mit einer echt tollen Gruppe und unvergesslichen Momenten! Ein Ausflug in den frühzeitigen Winter. Danke an Benni für die tolle Tour!
Mehr Infos zur Tour hier: http://www.guenter-pilger.de/zugspitze.htm
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