2020: Ein neue Tour auf den wundervollen vorderen Drachenkopf mit aktuellem Video. Von der Talstation der Ehrwalder Almbahn startet unsere Tour auf den vorderen Drachenkopf. Über den Hohen Gang steigen wir zunächst hinauf bis zum Seebensee und von dort aus weiter über die Coburger Hütte bis zum Gipfel. Die letzten 100 Höhenmeter führt der Weg dabei am Grat entlang und es darf auch ein wenig gekraxelt werden ...
2 Tages-Tour Bericht von 2017
Es sollte endlich mal wieder richtig ordentlich nauf ins Gebirge gehen! Und da es schon letztes Jahr so schön dort war, hatten wir schon im November letzten Jahres die Hütte reserviert. Die Coburger Alm ist so sehr gefragt, dass selbst im November nur noch begrenzte Anzahl an Plätzen für Juli frei war. Direkt Am Drachensee mit Blick auf die Wetterwand macht das zu einem einzigartigen Ort!
Leider war absolut schlechtes Wetter für das Wochenende angekündigt. Es sollte auch gut 0-10°C werden, eine richtige Sommerpause! Gepackt mit Winter- und Regenausrüstung zogen wir von Ehrwald aus los, den hohen Gang hinauf. Alternative Wege wären der Seebenklettersteig (D/E) oder den sehr langen asphaltierten Weg über die Ehrwalder Alm. Wir liefen Richtung KS in den Wald und folgten dann dem Warnschild „Nur für geübte, Weg erschwert passierbar“ zum hohen Gang.
Man wird schon richtig warm, wenn man den etwas steileren Anstieg über Wurzeln und Stein dem Forstweg weiter folgt. Nach der Baumgrenze geht es dann ein Stück steil den Schotter rauf. Wir brauchten viele Pausen, und fanden dann eine Pausenbank auf einem Felsvorsprung mit super Aussicht! Eine Wolkendecke zog ihre Bahn die Wetterwand hinauf.
Dann ging es an den Fels. Der Aufstieg ist mit Drahtseil gesichert und quasi ein A-Steig. Man sollte hier schon schwindelfrei und trittsicher sein. Wir hatten beim Aufstieg eine Menge Spaß und oben angekommen (nach 1,5 Stunden) saßen wir auf einer grünen Wiese mit strahlender Sonne. Absolut traumhaft und schon fast unwirklich, war der Anblick des vorderen Drachenkopfs hinter dem Seebensee!
Während wir hier in Winterjacke und Mütze den See umrundeten, tanzten ein paar Leute in Badesachen in der Wiese. Jetzt folgte der Aufstieg zur Hütte und der trügt das Auge! Es sieht nicht weit aus, ist aber ein nicht enden wollender Aufstieg. Eine gute halbe Stunde braucht man hier. Oben an der Hütte haben wir erstmal eingecheckt. Waren schon sehr stolz, dass wir hier noch einen Platz bekommen haben.
Die Coburger Hütte ist super ausgestattet! Als AV Mitglied habe ich 10€ (+ 10€ Anzahlung) für die Übernachtung incl. Frühstück bezahlt. Die Matratzenlager sind annehmbar und weich (man konnte sogar die Füße ausstrecken!) Das Hüttenpersonal ist sehr nett. Es gibt bis 19 Uhr warme Küche, Trinkwasser, einen Trockenraum und warme Duschen!! Hüttenruhe ab 22 Uhr, ein gutes Frühstück ab 07 Uhr. Wir hatten einen großen 12er Raum. Nach einem guten Mittagsessen zogen wir weiter.
Wir folgten dem Weg zum vorderen Drachenkopf. Die meisten anderen Berge sind nicht so ohne weiteres zu besteigen, da sie meist freies Klettern vom II bis III Grat verlangen (so auch die Sonnenspitze) oder man nimmt sich die Tajakante (D/E) vor. Der Weg geht westlich vom Drachenkopf aus über das felsige Terrain. Ein paar Schafsherden treiben hier ihr Unwesen. Je höher man steigt, desto felsiger wird der Untergrund. Zwei Stunden sind von der Hütte ausgeschrieben aber man braucht eher länger. Irgendwann steht man dann vor dem Sattel, wo es dann heißt „Stöcke einpacken und Hand anlegen“.
Auf dem Weg nieselte es immer wieder ganz leicht. Trotzdem wollten wir es wagen! Man klettert ein bisschen den Fels hinauf bis man auf dem Sattel zwischen vorderem und hinterem Drachenkopf steht. Ab jetzt wird im 1. Grat geklettert auf sehr schmalem Grat! D.h. hier muss man absolut Schwindelfrei und trittsicher sein. Der Weg ist ziemlich ausgesetzt dafür aber sehr gut markiert. Man folgt einfach sehr vorsichtig den roten Punkten. Wir kamen ganz gut zwischen den schroffen und scharfkantigen Felsen hinauf und die Klettereinlagen waren alle noch annehmbar.
Am Gipfel hatten wir dann die absolute MEGA-Aussicht die wir auch eine Weile genossen, bis wir die dunklen Wolken im Osten bemerkten. Etwas leicht gestresst machten wir uns auf den Rückweg, der leider ganz und gar nicht so ohne weiteres ging. Der Niko bekam es beim runterklettern mit der Angst zu tun. Ich assistierte ihn bei den schwierigen Stellen und versuchte ihn zu motivieren, aber wir brauchten eine Ewigkeit. Gerade als wir dann (endlich) runter vom Sattel waren, begann es zu regnen. Schnell rein in die Regensachen und zurück zur Hütte, was aber ebenfalls noch lange dauerte. Insgesamt waren wir über 4,5 Stunden unterwegs von der Hütte.
1€ die Minute kostet die warme Dusche. Es gab guten Kaiserschmarrn und gutes Bier! Die Gaststube war voll mit Gästen. Aber noch besser: Der Hüttenwirt persönlich inkl. Freunde aus Coburg waren heute hier und fingen zu musizieren an. Der ganze Raum sang laut Lieder mit und der Wirt spielte Akkordeon und Gitarre. Mega cool! Wir chillten uns dann noch mit einem Bier runter an den Drachensee und genossen einfach diese herrliche Landschaft! Das war wirklich ein unglaublich toller Abend!
Man konnte sogar ganz gut schlafen, trotz vieler Schnarcher. Ich bin zwar immer wieder aufgewacht, aber das ist wohl normal bei 12 Leuten im Zimmer. Nach einer großen Schüssel Müsli mit Obst, zogen wir wieder los. Diesmal wollten wir am Drachensee vorbei hoch zum Tajakkopf gehen. Aber es sag eher schlecht aus: Die Wolkendecke hing sehr tief und es war sau kalt. Trotzdem gings weiter bergauf. Der Weg geht in Serpentinen die Ostflanke hinauf, vorbei an einer großen Wiese wo Leute Symbole aus Steinen gelegt hatten. Nach 1 Stunde waren wir wieder auf reinem Fels und Geröll. Es fing immer wieder an zu nieseln, manchmal auch stärker und am Ende hat es durchgehend genieselt.
Wir folgten den Schildern zum Tajatörl und waren schon fast an der Felswand angekommen, als wir eine kaum wahrnehmbare Kreuzung erreichten. Dort fehlte wohl ein Wanderschild: Rechts zum Örl, Links zum hinteren Tajakopf. Wir wollten unser Glück versuchen und gingen eine Weile lang am Kamm weiter bergauf. Irgendwann hatten wir dann glatten Fels erreicht, den man rauf musste. Hier kehrten wir um, denn der Fels war nass & rutschig und wir standen bereits mitten in der Wolke, wir hätten eh nichts gesehen.
Zurück am Tajatörl (einem Pass) trafen wir noch ein paar andere Wanderer. Jetzt hieß es nur noch bergab gehen, entlang des Ganghofer Steigs. Eine Zeit lang muss man steil den Schotter und Geröll absteigen, aber dann wird es ganz normaler Wanderweg mit gelegentlich felsigen Stellen. Wir kamen ganz und gar in den Wandertrott und liefen im Nebel (es erinnerte mich an die Hochblasse). Da Niko sehr langsam ging, verloren wir uns etwas. Es wird hier auch die Breitenkopfhütte ausgeschildert, aber wir folgten dem Weg Richtung Ehrwalder Alm. Nach dem Brendlsee kamen wir endlich aus der Wolkendecke und es wurde nochmal richtig kiesig und ausgesetzt. Eine Herde Schafe trennten uns von Robin. Sie folgten ihm fast 1/2 Stunde lang :)
Nach 2 Stunden waren wir dann endlich an Ganghofer’s Rast (einer kleinen Holzhütte) und es fing an noch stärker zu regnen. Ich sprach mich trotzdem dagegen aus, den langen Weg über die Ehrwalder Alm zu gehen, sondern stattdessen über den Immensteig abzusteigen. Man spart sich eine Menge weg dadurch! Es war allerdings nicht meine beste Idee, denn der Steig war, ähnlich wie beim hohen Gang, sehr steil und ausgesetzt. Wir brauchten eine Ewigkeit, da Fels und Wurzeln klitsch nass und rutschig waren. Der ganze Absteig wurde zu einer nervenaufreibenden Kletterpartie. Ein langes Stück des Steiges war Drahtseil gesichert und teilweise sogar A/B. Im Wald unten hatten wir dann auch alle genug vom Berg. Genau das wollte ich! :)
Zum Schluss sind wir noch völlig erschöpft in die Brent Alm eingekehrt und haben noch gut gegessen.
Fazit
Man darf sich eben doch nicht vom Regen aufhalten lassen. Diese Wanderrunde ist wirklich eine hochgradig anspruchsvolle, alpine Tour und nur für erfahrene Bergsteiger zu empfehlen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier absolut wichtig! Die Hüttenübernachtung war ein echtes Highlight! Kein Wunder, dass die Hütte so ausgebucht ist. Die Landschaft ist einfach nur atemberaubend, ja schon fast unwirklich! Wundervolle, vielseitige Bergtour!
Mehr Infos zur Tour hier: https://www.almenrausch.at/touren/suchergebnisse/tourdetails/tour/vorderer-drachenkopf-2303-m321.html
Webcam:

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