Zugspitze über den Stopselzieher

Zugspitze über den Stopselzieher

Kaj 08. September 2018 Ehrwald

Der direkte Weg von Ehrwald

Aufstieg: 1754 hm
Strecke: 8 km
Schwierigkeit: T3

Hierbei handelt es sich um die wohl günstigste Möglichkeit auf den Berg zu kommen. Es ist die kürzeste Route (1.750hm – 6 Stunden), aber nicht die leichteste, da ein Steig (A/B) zu überwinden ist. Es ist auch nicht die schönste Tour. 

 

Alex und ich haben uns am Samstag an der Tiroler Zugspitzbahn in Ehrwald gegen 8 Uhr getroffen. Der Parkplatz ist hier kostenfrei! Die Seile der Bahn verschwanden in den Wolken, die noch über dem Berg hingen. Oberhalb des Parkplatzes wiesen uns die Wanderschilder bereits nach rechts auf einen Forstweg, den wir jetzt ein Stück Bergauf am Waldrand entlang folgten. Bald sahen wir einen schmalen Abzweig, der in die Latschen führte. Ein rotes „Z“ markierte diese Abkürzung. Wofür das Z wohl stand??? Ein Rätsel!

Nach einer Weile etwas steilerem Aufstieg zwischen den Latschen kamen wir wieder am Originalweg raus und folgten ihm jetzt auf das große Schotterfeld des Westhangs. Im Süden konnte man die Mieminger Kette erkennen, deren Sonnenspitze imposant aufragte.  Der Blick zurück aufs Tal nach Ehrwald und Lermoos war besonders schön, da mehrere Wolkenschwaden (weiß und schwarz) darüber hingen, die das Panorama besonders zierten.

Leider waren wir noch in der Schattenseite und es war sau kalt hier. Am Schotterfeld sahen wir jetzt immer mehr Leute auf dem Weg nach oben. In schmalen Serpentinen ging es langsam aber sicher auf die Felswand zu.  Nach 1:20h erreichten wir den ersten Kamm, der den „Georg-Jäger-Steig“ auf einer Tafel ankündigte. Links entdeckten wir ein altes Bollwerk, dass jetzt wohl für die Bergwacht als Unterkunft diente. Rechterhand führt der Steig hinauf. Nach ein paar Stufen ging es direkt unterhalb der Seilbahn an einer großen Stütze vorbei über ein paar Holzbretter weiter.

Als der schmale Weg uns dann schließlich in die Sonne führte und hinter der nächsten Kurve den Blick auf die Zugspitzstation weit über uns freigab, wurden wir von einem riesigen Wolkenmeer, dass über dem Eibsee ruhte, überrascht. Ein Wahnsinns Gefühl, wenn man den Boden nicht mehr sieht, sondern nur die Wolken unter sich und den klaren Himmel über sich hat. So ging es weiter, entlang ein paar Drahtseil versicherten Stellen hinauf zur Wiener-Neustädter-Hütte, die mitten in einem Geröllfeld plötzlich vor uns auftauchte. Also man sieht sie wirklich erst wenn man davorsteht. Wir machten eine Suppenpause bevor wir weiterzogen. Hatten die 1.000hm zur Hütte in gut 2 Stunden gemacht und der Klettersteig vor uns forderte von hier aus noch weitere 700hm, also war etwas Stärkung wirklich angebracht.

Man läuft sich schnell wieder warm auf einem weiteren Schotterfeld, dass zum Einstieg des Klettersteigs in einen deutlich erkennbaren Riss im Felses, führt. Die großen Felsplatten vor uns ragten weit empor und die Gipfelstation wirkte nah, war jedoch noch fern. Am Steig herrschte schon der erste Stau. Mein Tipp: Wer sich am Steig sicher fühlt, kann auf ein Klettersteigset verzichten und nur einen Helm mitnehmen, denn der KS ist relativ einfach.

Es gibt viele Griffe und stets Drahtseil entlang der Wand. Der Steig führte in direkter Hangrichtung nach oben, entlang des West-Arm und durch die Höhle hindurch. Ein kleines Stück des Klettersteiges führt durch eine kleine Höhle: Foto-Stelle! Doch danach wird es langsam aber sicher immer trockener. Wir sahen über uns die nur langsam größer werdende Station und unter uns die nur langsam kleiner werdende Hütte. Der Steig geht kontinuierlich in Serpentinen die Felswand hinauf. Keine Nennenswerte Schlüsselstelle.

Nach 3:30h auf 2.700hm spürten wir langsam die Höhenmeter. Wir wurden langsamer, da auch einfach die Muskeln erschöpft waren. Irgendwann erreichten wir dann die alte Seilbahnstation die eine totale Ruine war, mit Brettern vor den Fenstern. Wirklich toll, die mal so aus der Nähe zu sehen, denn dies war damals die erste Seilbahn auf die Zugspitze! Genau dahinter, eine etwas heiklere Kletter-Stelle, wo niemand vor uns (und wir selbst auch nicht) durchkamen, ohne Steine loszutreten :( Aber deswegen: Helmpflicht!

Dann schließlich traten wir auf den Südgrat der Zugi und erblickten plötzlich das Zugspitzplatt überm Reintal. Ein mir bekannter Blick, Alex hingegen war noch nie zuvor hier oben! Da hier nun auch die Wege vom Gatterl und dem Reintal zusammenführten, war der restliche Weg zum Gipfel eine Ameisenstraße. Dennoch genossen wir den langsamen letzten Aufstieg am Drahtseilversicherten Steig, da das Panorama einfach gigantisch war. Hinter uns der imposante Grat und vor uns die ganzen Stahlbauten der Zugspitzstation. Wir hatten dann auch wirklich genug, als wir dann über die Stahltreppe zum Münchner Haus emporstiegen (4:15h)

Wie ich es erwartet hatte, grillte der berühmte Hüttenwirt vom Münchner Haus seine Bratwürstel. Aber er meinte zu mir: „Ihr kriegts erst oane, wenn ihr am Gipfl woarts!“. Also sind wir direkt weiter durch die Menschenmassen an Touristen hindurch und über ein Baugerüst dann zum kleinen Klettersteig auf den Gipfel weiter. Doch dauerte das wieder ewig, da hier natürlich JEDER raufwollte, also auch die Touris in Straßenschuhen und Jeans… Und dazu kam, dass an der Leiter jeder nur an sich dachte und nicht an die Massen an Leuten die sich oberhalb stauten und kaum noch Platz hatten. Irgendwer schimpfte, weil die Leute Fotos am Gipfel machten, naja wir haben uns köstlich amüsiert! Nach dem Gipfel pausierten wir oberhalb des Staus auf einer Holzbank und schauten den Menschen beim Kampf um die Leiter zu. Besonders toll war der Blick runter ins Höllental, dessen Gletscher ich so gut wie jetzt, auch noch nicht sehen konnte und natürlich der Blick über den Jubiläumsgrat auf dem sich der Alpenkraxler irgendwo in der Nähe der Alpspitze gerade austobte.

Dann gabs Bratwurst und Weißbier. Sooo schlimm voll war es heute dann auch nicht. Haben sofort nen Platz gefunden und uns mit 2 Amerikanerinnen unterhalten. Für das Ticket der Seilbahn (30€) durften wir uns noch das Zugspitzmuseum ansehen, dass den Erbau der Station widerspiegelte. Zum Schluss sind wir dann noch zum Eibsee gefahren, der in seinem fast-Herbstkleid prächtig wirkte! Konnten sogar noch bisschen baden und in den Biergarten. Hach! Perfekt ausgeklungen ;)

 

Fazit

In nur 5 Stunden sind wir so auf die Zugi gekommen. Der Steig macht Spaß und ist simpel. Jedoch zieht sich der Aufstieg über das Schotterfeld und der KS zieht sich noch länger. Nicht der spektakulärste Aufstieg aber eine schöne Bergtour! Die Massen sind eher im Höllen- & Reintal unterwegs, daher ist man am Stopselzieher „etwas mehr“ unter sich. Trotzdem: Viel Ausdauer / Kraft und gute Ausrüstung ist hier ein Muss. Klettersteig ist für Anfänger geeignet.

Neues Video (2020)

Mehr Infos: https://www.bergtour-online.de/bergtouren/klettersteige/zugspitze-stopselzieher/

Aufstieg: 1754 hm
Strecke: 8 km
Höchster Punkt: 2962 m
Ausgangshöhe: 1200 m
Gehzeit: 4h 52min
Gesamtzeit: 5h 22min
Schwierigkeit: T3
Höhe: 2.000 m+
Klettersteig: A/B
Detailbewertungen
Landschaft 4/5
Markierung 4/5
Bewirtung 3/5
Abenteuer 3/5
Frequentierung 4/5
Kondition 4/5
Gefahrenpotential 3/5

Ziele dieser Tour

Bilder

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