Vorgeschichte in Reykjavik
Reiseblog für der ganzen Island-Reise mit Roadtrip zu Geysiren und Wasserfällen >>>
Der ganze Urlaub begann erstmal mies: es war verregnet, bewölkt und kalt wie ein Novembertag. Als das Zelt am Campingplatz stand und ich in der Innenstadt eine Flasche Benzin für den Benzinkocher besorgt und abgefüllt hatte, stellte ich dann abends fest, dass sich in der Aluflasche Druck aufgebaut hatte und sich deshalb der Deckel nicht mehr öffnen ließ. Ich probierte es mit allen möglichen Mitteln, die Flasche war versiegelt. Das war deswegen toll, weil es schon spät nachmittags war und ich morgen zum Trail losfahren wollte. Ich rannte, vergebens zur Tankstelle und sogar bis zum Hafen, doch bekam ich keine Ersatz Aluflasche. Dann bin ich nochmal in die Innenstadt gefahren und zum Glück bekam ich dann bei einem Outdoorgeschäft noch um 21:00 Uhr eine Sigg-Aluflasche! Die war eigentlich zum Trinken aber es sollte hoffentlich klappen. Dann habe ich mir aus der Fundgrube am Campingplatz eine volle Flasche Petroleum genommen und es probiert: voila! Die Pumpe passte auf die Flasche, und ich bekam mit dem Petroleum eine saubere Flamme hin. Es konnte losgehen!
Landmannalaugar
Sicherheitshinweis: Der Laugavegur ist alles andere als ein Spaziergang! Man muss konditioniert, kräftig und gesund kommen und kein Problem dabei haben 16kg über 15km weit zu schleppen. Man muss mit jedem Wetter rechnen, es ist Island: Also Sturm, Dauerregen, Sandstürme, Schnee&Eis, Nebel etc. Zudem müssen Flüsse gefurtet werden. In den 4 Etappen gibt es keine Möglichkeit Verpflegung zu kaufen, man muss alles mitnehmen. Auch ein gutes Zelt (min. 3-Season) und ein Schlafsack mit mindestens -5°C im Komfortbereich sind ein Muss! Gute Planung und vor allem 100%ige Liebe zum Abenteuer sind wichtig! Wichtigste Ausrüstung sind gute Schuhe, GPS, Handschuhe, Kopfbedeckung, Regenschutz, Windschutz, Sonnencreme
Die Fahrt zum Landmannalaugar und dem Startpunkt des Trails war schon spannend! Man fährt erstmal gute 4 Stunden mit dem Bus von Reykjavik. Gerade die letzte Strecke durch die Wüste über eine F-Road ist besonders spannend. Man denkt der Bus kippt gleich um, und man wird gut durchgeschaukelt. Aber man bekommt schon einen ersten Eindruck von dem was einen hier erwartet. Kaum angekommen, sprang ich erstmal raus um meinem Staunen freien Lauf zu lassen!
Man ist in einer Sandwüste umringt von bunten Rhyolithbergen, ein einzelner schwarzer Berg aus Lavasand ragt vor einem empor und ein gewaltiges Lavafeld bedeckt den Weg nach Süden. Und inmitten dem, der Campingplatz! Und die Sonne schien bei wolkenfreien Himmel! Besser konnte es nicht sein. Das Zelt war hier etwas schwierig aufzubauen, aber mit meinen Wanderschuhen und ein paar Felsen konnte ich die Karabiner gut in den harten Boden pressen. Ich blieb auch gar nicht lange und zog direkt los, um den schwarzen Bláhnúkur zu besteigen.
Ich war Top-Fit und erreichte relativ schnell die erste Anhöhe! Der Weg führte steil, feinkörnigen, schwarzen Sand hinauf. Der Wind nahm auch schon quasi exponentiell zur Höhe zu. Ich erreichte den Vorgipfel nach 30 Minuten und stand dann nach 1 Stunde ganz oben. Dies war der höchste Punkt in diesem Gebiet und mein Gott, was ich sah gab mir die reinste Gänsehaut!
Dort oben war für mich der Himmel! So eine prächtige Landschaft hätte ich mir nie erträumen können. Deshalb blieb ich fast 40 Minuten oben um mir das richtig wirken zu lassen. Im Norden war eine Bergkette aus gelbem Stein, im Osten reihten sich einsame Berge soweit das Auge reichte, im Süden überblickte man die erste Etappe, spektakuläre Berge mit Obsidian Stalagmiten und einem dampfenden Schwefeltopf. Man konnte sogar bis zum Gletscher blicken! Im Westen lag das weit ausgebreitete Lavafeld und der Campingplatz und in der Ferne ein Wunderschöner See. Unglaublich!
Ich wollte jetzt über den Süd-Buckel absteigen und blieb doch immer wieder stehen, gebannt von dieser Aussicht. Der Weg führt zunächst entspannt hinab, dann irgendwann etwas in steileren Serpentinen runter bis zum Fluss. Und ich erkannte hier keine Brücke. Und schon gings los: Schuhe aus, Hosenbeine hoch und barfuß durch den schmalen Fluss. Jetzt folgte ich den Markierungen durch das Lavafeld. Man musste eine Weile lang zwischen den Lavabrocken umherirren bis man an der rechten Seite einen netten Weg erreicht. Dem folgte ich und staunte über eine grüne durch Schwefel verfärbte Felswand. Kurz darauf war ich wieder beim Camp.
Details zum Bláhnúkur: 387hm – 6km – 1:40h (3h) – Gipfel auf 989hm
Danach gings zu den heißen Quellen (die ja berühmt für Landmannalaugar sind). Wirklich genial, trotz der Kälte ist das Wasser zunächst kühl, und weiter am Fels wird es immer wärmer. Überall dampft es, und wenn man ganz nah zum kleinen Wasserfall schwimmt wird es richtig heiß! Totaler Genuss, doch ist es dann immer schlecht, wenn plötzlich kühles Wasser kommt.
Danach ging ich wieder zum Zelt. Der ganze Platz war voll mit Menschen und Zelten, es war schon fast wie auf einem Festival. Lauter kleine Grüppchen aus allen Ländern. Es gab sogar eine Dusch- und WC-Halle, Tische zum Kochen und eine Hütte mit Schlafplätzen. Ich wollte dann kochen, doch da kam das nächste Problem: Mit dem Petroleum schaffte ich es nicht mehr den Kocher anzukriegen. Das Zeug wollte einfach keine richtige Flamme bilden und ging sofort wieder aus. Ich war schon am Verzweifeln als ich es dann endlich nach einer Ewigkeit doch hinkriegte.
Die Nacht war angenehm kühl und der Schlafsack hielt was er versprach! Jedoch war er dafür gewaltig klobig und schwer. In der Früh gings erstmal entspannt aus dem Zelt und der Kocher machte wieder Probleme. Jetzt ging ich zur Anmeldung und zum Glück hatten die auch Benzin zu verkaufen. Als ich es dann mit Benzin versuchte, hatte ich vollen Erfolg! Kurz noch etwas Toast und Frühstücksfleisch angebraten und es konnte losgehen!
Trekking 