Trekkingtour im Böhmer Wald – Sumava über das 3 Ländereck. 25 Stunden im Wald.
So die neuste Idee von Robin für das nächste nicht so sonnige Wochenende: Biwak im Böhmer Wald. Erst wollten wir weiter nördlich zum Boubin, doch nach intensiveren Recherchen, ist klar geworden, ein Biwak im Naturschutzgebiet wird dort nicht gern gesehen. Nachdem auch die Wetterprognose immer schlechter wurde entschlossen wir, im südlichen Teil des Waldes auf einem der dort bereit gestellten Not-Übernachtungsplätze zu Campieren.
Diese Plätze findet ihr hier: https://www.outdoorseiten.net/wiki/NP_Sumava;_Not%C3%BCbernachtungspl%C3%A4tze
TIPP: Es gibt insgesamt 7 solcher Plätze und sie sind so angelegt, dass man eine ausgedehnte 8-Tages Tour durch den ganzen Wald machen könnte!
Erst um 11 Uhr starteten wir dann auf einem Parkplatz in der Nähe der Grenze. Es war sehr neblig aber trocken. Wir hatten eine fast vollständige Trekkingausrüstung dabei und sehr schwere Rucksäcke. Es ging zu Fuß zur Grenze, wo ein uriger Bahnhof am Wald Ende lag. Der Weg führte uns an der großen Kreuzung nach rechts und entlang der asphaltierten Straße zum Waldeingang. Ein paar alte Mauern und Bäume bildeten eine Allee. An der nächsten Kreuzung folgten wir dem Weg rechts in den Wald hinein.
Jetzt marschierten wir auf einer langen Asphaltstraße immer tiefer in den Wald. Wir passierten hier ein uraltes Kanalsystem „Schwarzenbersky“. Aber erst nach ca. 1 Stunde erreichten wir eine winzige Hütte mit einer Wasserquelle. Da es am Biwakplatz kein Wasser gab, füllten wir nochmal alles auf. Genau hier zweigt der Forstweg von der Straße rechts ab. Das Gelände war rutschig und steinig und führte jetzt stetig direkt an der Landesgrenze bergauf. Immer wieder begegnen einem Schilder, die auf die Grenzüberschreitung hinweisen.
Wir hätten wohl langsam eine schöne Aussicht gehabt, aber je höher wir stiegen, desto tiefer hingen wir in der Wolke. Der Wald verschwand und viele tote Bäume umzingelten uns plötzlich. Mit dem Nebel ein gespenstisches Ambiente! Plötzlich tauchte ein Parkplatz und der Berggasthof Dreisessel vor uns auf. Wir kehrten kurz auf ein Bier und eine Suppe ein.
Draußen war es jetzt richtig kalt geworden. Es gab dort ein paar dieser Felstürme zu besichtigen, mit einem Aussichtspunkt, der uns heute nicht viel nutzte. Wir folgten jetzt den Schildern in Richtung Plöckenstein und Dreiländereck. Von der Straße weg, führte auch ein netter Wanderweg, der uns immer weiter durch die Suppe führte. Wir liefen eine gute Stunde, und sahen nicht mehr als tote Bäume. Der Birkenkäfer, welcher einst eingeschleppt worden war, zerstörte hier duzende km² Waldfläche. Man konnte nichts dagegen tun, und er wird jetzt als natürlicher Parasit geduldet.
Der Weg führte uns zwischen einigen weiteren imposanten Steintürmen vorbei, die sich theoretisch super zum Klettern eigneten. Am Dreiländereck trafen wir zum ersten Mal ein paar andere Wanderer. Wir standen genau an der Grenze zwischen Deutschland, Tschechien und Österreich. Und aus jeder Richtung kam ein Wanderweg. Wir zogen weiter nach Oberösterreich und sahen im Nebel plötzlich ein riesiges Stahlungetüm. Bei besserer Sicher erkannten wir, dass es sich um eine Radarstation handeln musste.
Kurz darauf der Plöckenstein. Ich wusste nicht, dass hier ein richtiger Berg war, doch standen wir nun auf einem, mit richtigem Gipfelkreuz. Man musste etwas klettern um dorthin zu kommen. Von hier aus, war es nicht leicht den Weg zu finden, den wir suchten. Nördlich des Gipfels führte ein schmaler Weg bergab in Richtung Plöckensteiner See. Schon bald waren wir wieder unter der Wolkendecke und sahen vom Berghang hinunter zum wunderschönen See. Leider war so ziemlich alles rundum bedeckt von toten Bäumen. Nur kahle und teilweise gestürzte Baumstämme. Ein Hang wirkte sogar so, als wäre eine Baumstammlawine abgegangen.
Ein Stückchen weiter erschien plötzlich ein gewaltiger Obelisk: Das Adalbert Stifter Denkmal. A. Stifter galt als Dichter des Waldes und zog früher hier seine Runden um die Schönheit des Waldes zu bewundern. Der weitere Abstieg wurde als etwas anspruchsvoller beschrieben „nur auf eigene Gefahr“. Und ja, er ging etwas steiler den Berg runter, bot dafür immer wieder eine tolle Aussicht. Etwas steinig und rutschig führte der Forstweg zum See hinunter. Dort machten wir dann kurz eine Pause.
Vom See aus gingen wir noch ein Stück nach Osten. Ein wunderschöner Weg mit toller Sicht bis zum großen Vodni nadrz Lipno See führt uns wieder in lebendigen Wald. Man konnte sehen, dass Förster überall versuchten mit jungen Nadelbäumen dem Tod des Waldes entgegen zu wirken. Wir bogen am Ende links ab und stiegen weiter über einen laubbedeckten steinigen Weg den Berg hinunter. Am Ende stießen wir dann wieder auf eine asphaltierte Waldstraße. Genau vor uns war der Übernachtungsplatz „Pod Plesnym jezerem“.
Der Platz bot genug Raum für 3 Zelte und hatte mehrere Tische (auch überdacht) und ein WC Häuschen. Es gab keine Wasserquelle, daher haben wir unterwegs an Quellen immer wieder nachgefüllt. Ich baute mein Zelt auf, während Robin seine Wahnsinns Idee in die Tatsache umsetze und eine Hängematte zwischen zwei Bäumen spannte. Um die Hängematte herum spannte er noch eine Plane, die seinen schwebenden Schlafplatz also rundum abdichtete.
Wir waren genau rechtzeitig angekommen, denn es dämmerte bereits. Ich installierte den Benzinkocher und schenkte uns Wein ein. Wir hatten einen wirklich tollen Abend, mit Feuerzangenbowle, Wein und Schokolade! Ich konnte schöne Nachtaufnahmen machen, doch wurde es bereits um stockfinster. Die Nacht war das eigentliche Abenteuer, denn es wurde eiskalt und regnete wie verrückt. Gegen Mitternacht weckte mich Robin mit Rufen, da seine Plane verrutscht war. Also musste ich bei dem Regen hinaus um sie besser zu fixieren. Immerhin hatte ich ein Zelt. Trotzdem war es so kalt, dass ich kaum schlief und mich tief im Schlafsack vergrub.
Um 07 Uhr packten wir bei Regen alles zusammen und trafen uns dann zum Frühstück am überdachten Tisch. Robin hatte offenbar ein paar Stunden Schlaf gefunden in seiner Hängematte und die Plane hielt dicht. Nach dem Frühstück ging es jetzt zurück über die breite asphaltierte Straße (Sämtlichen Müll wieder mitnehmen!). Es regnete den ganzen Tag hindurch und machte nur kurze Pausen. Viel gab es auf dem Rückweg nicht mehr zu sehen. Man musste einfach den Schildern in Richtung „Nove Udoli“ folgen. An einer Hütte machten wir noch eine Teepause und liefen am Schwarzenbersky Kanal entlang. Den langen asphaltierten Weg empfand ich als sehr unangenehm zu gehen, mit meinen Bergstiefeln. Gegen 12:00 Uhr waren wir dann wieder beim Auto.
Fazit
Eine schöne kleine Trekkingtour durch den Sumava! Zusammen mit den Tieren geschlafen und uralte Bäume gesehen. Kann auch im Sommer prima zum Vogelbeobachten genutzt werden, evtl. sogar Wölfe und Luchse! Mit dem Wetter hatten wir allerdings kein besonders Glück. Der Übernachtungsplatz war spitze! Gut dass es die gibt! :)
Mehr Infos zu Sumava: http://www.npsumava.cz/de/
Alles zu den Übernachtungsplätzen: http://www.npsumava.cz/gallery/13/4160-nouzova_nocoviste_2011.pdf
Karte der Region:

Trekking