Der Šumava Nationalpark ist ein großes Gebiet im Herzen des Böhmer Waldes (Tschechien) und lehnt direkt an der Deutschen Grenze und dem Bayrischen Wald an. Der Wald ist besonders schön, hügelig und vielseitig. Es soll sogar noch Wölfe geben. Ein großes Wegenetz erstreckt sich durch die 70km des Mittelgebirgswaldes. Er ist perfekt für ausgedehnte Fahrradtouren geeignet aber das besondere ist: Es gibt entlang des Gebietes 7 Notübernachtungsplätze, an denen das Zelten geduldet wird. Hier findet ihr die Infos: Notübernachtungsplätze
Roland, Alex und ich jedoch hatten vor einen Großteil des Waldes zu Fuß zu durchqueren. Unsere Tour war in 4 Tagesetappen geteilt und wir nutzen diese Übernachtungsplätze dazu. Ein Auto stellten wir in Nova Pec (südliches Ende) ab und eines in Modrava (im Herzen) ab. Wir kamen in vollständiger Trekkingausrüstung mit Trockenessen, Kocher und Zelten. Ab Mitte Mai fahren auch Busse zwischen den Ortschaften.
Wichtig: Diese Camps sind ein wahrer Schatz! Bitte deshalb an die Regeln halten: Maximal 1 Nacht pro Camp, keinen Müll zurücklassen und kein Feuer oder Party machen.
Etappe Modrava nach Bucina (14km – 380hm)
Vom Parkplatz (10€ für 4 Tage) in Modrava ging es los. Die Ortschaft ist sehr touristisch und bietet ein Info-Office mit Kartenmaterial. Direkt hinter dem Ort findet man die Wanderschilder und den Weg der direkt in den Wald führt. In der ersten Etappe läuft man zunächst ein gutes Stück asphaltierten Weg parallel zum Fluss entlang. Ich empfehle den Trail via GPS zu folgen, da die Schilder oft an die Radler gerichtet sind, es aber schönere Wanderwege gibt.
Die Wege sind immer sehr lang und von beiden Seiten durch dichten Nadel-Wald begrenzt. Ein Schotterweg geht ein gutes Stück lang bergauf bis zur Anhöhe „Cerna Hora (1.272m)“, welche schon schöne Blicke in die nördlichen Landschaften bietet. Bucina ist bis jetzt leider nur spärlich ausgeschildert. Die Hälfte ist dann geschafft.
Weiter führt der einsame Weg wieder bergab und gibt große Hügel vor einem auf. Richtig geraten: erst absteigen und dann wieder aufsteigen. Immer wieder kommen Lichtungen die tollen Landschaften aufzeigen. Die Wege selbst sind etwas monoton und wirken wie Zubringerstraßen. Nach 3:30h, genau am Waldesrand taucht dann plötzlich das erste Camp auf.
Es war mit Abstand das schönste Lager die wir gesehen haben! Eine Sitzbank unter einem großen Baum, eine weitere an einem Hang mit Lug ins Land! Eine weitere Sitzgruppe ist überdacht, es gibt Toiletten mit Klopapier. Wasser & Bier haben wir 500m weiter die Straße runter bei einem Hotel geholt. Trotzdem ist das Camp abseits und sehr ruhig. Im Wald findet man eine tolle Lichtung mit traumhafter Aussicht. Die Nacht war allerdings ziemlich kalt (+5°C oder so)
Etappe Bucina nach Strazny (20km – 180hm)
Die lange aber wunderschöne Etappe ist sehr vielfältig. Man verlässt den Wald nun und geht am Hotel vorbei weiter nach Süden. Dank des GPS Trails sind wir nicht nur dem breiten Fahrradweg gefolgt, sondern sind einem schmalen Pfad gefolgt. Dieser hätte fast nicht schöner sein können! Weite, blühende Wiesen, prächtige Bäume, ein paar Kühe und ganze Wolken von Frühlingspollen in der Luft.
Der Frühling war hier so intensiv wie ich ihn noch nie zuvor erlebt hatte! Erst nach 1:40h kommt man wieder in den tiefen Wald zurück. Dort, vor einem Bächlein mit winziger Mühle, kurz hinter dem Holzweg, sind wir nach links abgebogen. Der Weg ist fast nicht zu erkennen! Zurück im Wald erwarten einen zunächst wieder lange, schnurgerade, asphaltierte Wege.
Hier kommt man am kleinen See „Zdarske jezirko“ vorbei. Ein paar KM folgt man der Straße und biegt dann rechts ab um zu einer kleinen Ruine zu gelangen. Der Aufwand des Umweges lohnt sich allerdings nicht wirklich. Später folgt noch ein Wasserbrunnen der aus einem kleinen Holzhäuschen kommt. Dann hat man Strazny fast erreicht. Der Wald endet wieder abrupt und Häuser tauchen auf. Hier sind wir rechts gegangen und an der T-Kreuzung dann links, dann die Wiese hinauf und nach etwas Suche über einen Weg den Wald hinauf, wo wir das Camp dann schließlich erreichten.
Auch hier gibt es keine Wasserquelle und man ist mitten im Wald auf einer grünen Wiese. Der Untergrund ist leider steinhart und man kriegt keinen Hering richtig rein. Es gibt wieder Toiletten und eine Sitzgruppe (kein Dach). Es ist idyllisch und man hört nur schwach die nah gelegene Autobahn. 800m den Weg bergab ist eine Raststätte mit einer Tankstelle, wo man Bier & Wasser bekommt. Es hab einen schönen Sonnenuntergang und wir haben mit dem Hobo Kocher Fichtennadeltee gemacht. Hatten an diesem Abend einen tollen Sternenhimmel und wurden am nächsten Morgen von einer Gruppe Schweizern geweckt ^^
Etappe Strazny nach Nove Udoli (15km – 170hm)
Diese Etappe kam uns eher kurz vor. Nach dem Frühstück mit den Schweizern zogen wir nach Süden weiter (Den Wegweiser nach Nove Udoli folgen). Man bemerkt die zahlreichen alten und bemoosten Mauern überall, die wohl noch aus früheren Zeiten übriggeblieben waren. Einem sehr schöner Forstweg folgt man jetzt nach Süden. Dann erreicht man wieder die Waldgrenze und folgt der Straße in Richtung Autobahn.
Nach der Unterführung entfernt man sich wieder vom Lärm und erreicht beispiellose Idylle. Man erkennt schon das etwas höhere Mittelgebirge, dass einen langsam mehr und mehr umgibt. Der Weg ist im ständigen Wechsel zwischen weiten Wiesen und kurzen Waldstücken. An einem uralten Baum haben wir ein Päuschen gemacht. Jetzt führt der Weg wieder in den tiefsten Forst.
Am Ende des Waldes entdeckt man sofort den alten Bahnhof im Osten. Dies ist schon der Neuthal „Nove Udoli“ Bahnhof. Er ist alt und romantisch und es gibt einen großen Fluss hinter den Gleisen. Hier gibt’s ein schickes Cafe in einem alten Bahnwaggon und einen kleinen Laden wo man Wasser und Bier bekommt. Nur wenige Meter von hier ist die deutsche Grenze. Vorbei an einem Hotel geht es jetzt wieder in den Wald und an der Kreuzung links. Nach 200m auf der rechten Seite ist das nächste Camp.
Das Camp ist im Wald und hat keine Wasserquelle. Wir haben uns im Fluss gebadet und Wasser im Hotel (700m) gezapft. Es gibt Toiletten und eine freie Sitzgruppe. Nach einem starken Gewitter, das wir im Zelt ausgesessen haben, gab es frischen Brennnesseltee und eine tolle Lichtstimmung! Haben einen gigantischen Sonnenuntergang mit dicken Nebelschwaden bestaunt.
Etappe Nove Udoli nach Nova Pec (26km – 650hm)
Die letzte Etappe war sehr, sehr lang, daher sind wir schon um 07 Uhr morgens fertig gepackt weitergezogen. Das Gewicht des Rucksacks jetzt möglichst leicht. Dies ist die schönste und spannendste Etappe von allen und führt uns zurück nach Nova Pec. Doch zuerst muss ein sehr langer asphaltierter Weg durch den tiefen Wald zurückgelegt werden (2:15h). Hier wird schon sehr viel Strecke gemacht, bevor es losgeht.
Der Anstieg geht jetzt steil bergauf zum Berggasthof Dreisessel mit grandioser Rundumsicht nach Bayern und dem Böhmer Wald. Wir hatten hier ein Weißwuscht Frühstück. Dann geht’s weiter über das Dreiländereck wo man schließlich auch nach Österreich kommt und nach 5km zum Gipfel des Plöckenstein (1.378m) kommt. Von hier nach Süden hat man einen wilden aber unglaublich lohenden Abstieg über das Adalbert Stifter Denkmal mit absolut fantastischer Sicht auf den Plöckensteinsee!
Der Abstieg ist etwas schwieriger und dauert ca. 1 Stunde. Vom See aus sind wir weiter zum letzten Camp „Pod Plesnym jezerem“. Rolands Verletzungen hatten sich durch die Blasen an den Füßen so verschlimmert, dass er jetzt nicht mehr weitergehen konnte. Vom Camp nach Nova Pec waren es immer noch weitere 6,5km! So kam es dazu, dass er von der Bergwacht per Jeep abgeholt wurde.
Alex und ich sind zu Fuß weiter, hinein ins nächste Gewitter. Mussten am Ende noch 2,5km über eine Schnellstraße laufen um nach Nova Pec zurückzukommen. Mit 15kg aufm Rücken und einer kleinen Bergtour mit 26km Strecke taten uns jetzt gehörig die Füße weh. Aber wir hatten es geschafft!
Hinweis: Die letzte Etappe habe ich schonmal mit meinem Bruder gemacht und sie lohnt sich auch so mal! Weiter unten findet ihr einen ausführlichen Bericht vom Plöckenstein.
Fazit
Wir haben in diesem Wald so viel Frühling erlebt wie noch nie zuvor! Es war alles dabei: Sonne, Gewitter, Regen, spektakuläre Sonnenuntergänge und einen tollen Sternenhimmel. Die Strecke ist manchmal monoton und schier ewig, aber auch immer wieder sehr abwechslungsreich und schön. Als einzige Option in der Nähe wo man legal (Wildcamping) Trekking betreiben kann ist sie super! Besonders bei Bucina war es sehr schön! Würde gerne noch die Strecke von Bayrisch Eiselstein aus mal gehen.
Trekking