Zustieg Berliner Hütte
Für uns geht es mal wieder ins geliebte Zillertal! Und wieder möchten wir einen der hohen Gipfel erreichen, diesmal die dritte Hornspitze oder auch „Berliner Spitze“ genannt. Da der Wolfi ein Event auf der Berliner Hütte gestartet hat, wo viele unserer Bekannten vorbeikommen, sind auch wir angereist und starten wie schon damals bei der Tour auf den Schwarzenstein wieder im Zemmgrund am Parkplatz des Breitlahners. Dieser ist allerdings schon richtig voll, weshalb wir mit dem Parken etwas improvisieren mussten (In Ginzling geparkt und dann per Anhalter hoch…)

Am ersten Tag nehmen wir uns, wie auch alle anderen Übernachtungsgäste, den langen Weg durch den Zemmgrund (eines der Hochtäler im Zillertal) zur Berliner Hütte vor. Zunächst noch über flachen Asphalt geht es sehr gemütlich hinein in das Hochtal. Wir passieren die kleine Klausenalm und folgen den langen Weg immer weiter bergauf. Nach gut 1,5 Stunden machen wir dann eine erste Pause auf der Grawand Hüte, die schon mitten zwischen den hohen Bergen liegt.

Dann geht’s wieder weiter über den Forstweg (nun schotterstraße) zwischen Wäldern und Wiesen tiefer hinein in das Tal. Dann nach reichlichen Kehren und vielen Höhenmetern, erreicht man schließlich den Talschluss-Kessel und staut nicht schlecht über die bereits deutlich sichtbaren hohen 3000er des Zillertals und dem riesigen Gletscher in der Ferne. Ein Prachtbild, wie Fluss und Wald langsam übergehen zu Eis und Gestein.

Hinter der Alpenrosenhütte folgen wir dann die letzten 30 Min. Steig hinauf zur historischen Berliner Hütte die wie ein Schloss auf einem Felsplateau thront. Die Denkmalgeschützte AV Hütte liegt auch genau auf dem gleichnamigen Berliner Höhenweg. Nach einem ausgelassenen Abend mit der Gruppe starten wir dann gegen 06 uhr unsere Hochtour zur Berliner Spitze! Der Rest der Freunde macht heute die Tour aufs Schönbichler Horn. Noch in der frühen Morgendämmerung brechen wir auf und überqueren die Holzbrücke über den Zemmbach hinter der Hütte.


Hochtour zur III. Hornspitze
Der Beschilderung folgen wir nun dem Weg zu den Hornspitzen, welche praktisch direkt südlich der Hütte aufragen. Es geht bald über viele steile Serpentinen den ersten Hang hinauf. Noch über einfache Wege im Gras ist es sehr leicht, bis auf eine kurze Felsquerung die mit einem Drahtseil versichert wurde. Die Sicht auf den großen Möseler gegenüber und den Gletschern wird immer gewaltiger, je weiter wir aufsteigen.

Nachdem wir das Plateau erreicht haben und dem weg weiter hinein in die Berge folgen, queren wir um den Hang des „Horns“ herum nach Süden und dann ist bald Schluss mit dem Weg! Die Berliner Spitze und sein Eisschild sind bereits gut zu sehen. Jetzt geht’s über die rießige freie Gleschermoräne weiter. D.h. es es folgt eine Wüste aus geschliffenen Granitplatten, wo man sich seinen Weg suchen muss. Viel up & down und schwere Orientierung – zum Glück gibt es ausreichend Markierungen!

Diese tote Felslandschaft erinnert uns ganz stark an den Schwarzenstein, wo die exakt gleichen Bedingungen gelten. Über das Blockwerk suchen wir uns mühsam immer wieder abstiege und aufstiege zwischen den Felswellen.

Irgendwann stehen wir dann endlich am Fuße des Hornkees-Geltschers. Ab hier geht’s in der Seilschaft und mit Steigeisen weiter. Und da beginnt die eigentliche Herausforderung der Tour: Sich einen passenden Weg zu suchen! Wir versuchen es im Zickzack hinauf, anfangs noch mit wenig Schwierigkeiten. Doch dann erreichen wir eine Spaltenzone und müssen uns etwas mit Strategie hindurchschlängeln auf dem aperen Eis. Manchmal drehen wir um, versuchen einen anderen Weg, aber es gelingt uns die Spaltenzone wieder nach rechts zu verlassen. Hier geht viel Zeit verloren.

Oberhalb der Zone peilen wir dann das Joch zwischen 3ter und 4ter Hornspitze an und haben nur noch wenige Höhenmeter bis zum Gipfelaufbau. Angekommen am Mitterbachjoch genießen wir eine fabelhafte Aussicht in die Dolomiten im Süden und zum großen Moosstock. Jetzt legen wir die Hochtourenausrüstung ab und machen uns an das schwierige Finale, über loses Blockwerk zum Gipfelanstieg.

Hierbei fällt uns ein großer Fehler auf: Wir haben den Tourenbericht nicht sauber gelesen und merken, dass wir den eigentlichen Zustieg nicht kennen. Wir haben einfach geglaubt, dass man über einen Schulteranstieg direkt am Joch losklettert und sind anderen Bergsteigern dort gefolgt. Schnell kommt eine Platte (III) zum Hochziehen und dahinter eine wirklich gefährliche Querung (III), wo man sich mit den Händen an der Kante und Schuhen auf Reibung an der stark geneigten Platte über einen Abgrund hinweg ungesichert rüber hangeln muss. Anschließend etwas einfacher am Grat herüber kraxeln bis wir schließlich das Gipfelkreuz erreichen.



Hierbei löste sich unter unseren Füßen einfache eine riesige Felsplatte, die schnurstracks den ganzen Berg runterdonnerte und dabei einen Bergsteiger nur knapp verfehlte. Ich denke mir nur Oh mein gott… was für ein instabiler Felshaufen ist das hier. Aber immerhin gibt es keinen Unfall und wir erreichen den Gipfel sicher. Dann sehen wir auch den eigentlichen Zustiegsweg, der korrekt wäre: Nämlich direkt an der West-wand unterhalb des gipfels: Dort schlängelt sich der Aufstieg relativ einfach hinauf.


Also wichtige Info: Gipfelanstieg ist an der Westwand und nicht auf dem Grat der vom Mitterbachjoch herüberführt!

Abstieg
Wir steigen vorsichtig dort ab und holen uns einmal Anschiss von dem Mann der nur knapp vom Felsen verfehlt wurde ab. Auch jetzt auf dem richtigen Weg ist es wegloses Gelände und man muss trotzdem genau schauen wie man runterkommt. Es ist überhaupt nicht sicher wo man genau lang muss und tastet sich vorsichtig voran und hofft sich nicht zu versteigen. Aber unsere Intuition passt dieses Mal und wir erreichen den Gletscher am Fuße des Berges wieder, wo ich mir 3 Kreuze erstmal mache. Für mich war diese Gipfelüberschreitung sicher eine der gefährlichsten alpinen Momente bislang – zu bröselig, zu viel riskante Kletterpassagen.

Doch belohnt uns immer wieder der gewaltige Blick hinüber zum großen Möseler, dessen Schultergrat praktisch von unserem Joch aus wie eine Linie verläuft. Wer sehr motiviert ist und schnell unterwegs ist, kann von hier aus auch noch die IV. Hornspitze im Süden erklimmen (kostet sicher auch 1 Stunde)

Jetzt steigen wir wieder mit HT-Ausrüstung wieder über das Hornkees ab zurück auf die rießige Moräne. Hier halten wir uns jetzt weit rechts um die Spaltenzone vom Aufstieg weitläufiger zu umgehen. Zwischen zwei größeren Spalten queren wir herüber auf die rechte Seite und steigen dann auf Falllinie nach unten zur Zunge ab. Dann geht’s wieder zurück über die Moräne – bei der wir leider noch mehr Orientierungsprobleme bekommen, da die Markierungen meistens nur auf dem hinweg sichtbar sind. Wir halten daher Ausschau nach Steinmännchen, denen wir folgen.

Der Weg zurück dauert gefühlt eine Ewigkeit, aber wir finden endlich wieder den Wanderweg an der Hangquerung zurück zur Berliner Hütte. Hier folgen wir dann wieder dem markierten Pfad nach unten. Bald sehen wir die Hütte weit unter uns, welche sich schnell beim steilen Abstieg uns nähert. Angekommen an der Hütte treffen wir wieder auf den Rest unserer Gruppe, die auf dem Schönbichler Horn waren. Nach einer weiteren Nacht auf der Hütte geht’s dann gemütlich mit der großen Gruppe gemeinsam den langen Abstieg durch den Zemmgrund zurück zum Parkplatz am Breitlahner.
Fazit
Eine gewalitg schöne, lohende Hochtour, die besonders mit der Übernachtung in der Berliner Hütte lockt. Die Tour ist landschaftlich absolut überwältigend, aber auch konditionell sehr fordernd! Der Weg über die Moräne ist anstrengend und fordert schon gute Orientierung. Das Hornkees ist einfach, kann aber tückisch werden, wenn man sich in die Spaltenzone verirrt. Der Aufstieg zum Gipfel ist sehr steinschlaggefährdet und weglos, dafür nicht schwer (wenn man den richtigen Weg nimmt)
Mehr Infos zur Hochtour: https://www.alpenvereinaktiv.com/de/tour/berliner-spitze-iii.-hornspitze-von-der-berliner-huette/14692326/
Hochtour
Kaj