Wir starten bewusst den Trail weiter oben, denn wir haben für den Trek nur 3 Tage eingeplant. Zudem wäre die erste Etappe hier hinauf eh nur zwischen Häusern und auf Straßen gewesen. Von Los Canarios geht es erst richtig in die Natur hinein! Der Ort ist aber trotzdem sehr sehr schön. Vom Hostel aus gehen wir zunächst unseren Proviant für die 3 Tage besorgen, der den Rucksack nun schön schwer macht. Vor allem viel Wasser muss mitgenommen werden: Denn diese erste Etappe ist die längste und die trockenste, es ist wirklich nirgends irgendwo unterwegs Wasser zu bekommen! So starten wir mit vollgepackten Rucksack nach Norden. Hinter der Kirche ist eine Steintreppe die durch eine Statue eines Wanderers verziert wird: Dem Wanderer wird die Ehre gezollt - wir freuen uns über so einen tollen Start!

Dann gehts los: Laut dem Schild sind es 17,5 KM bis nach El Pilar, wobei uns gleich etwas auffällt: Es gibt immer zwei Schilder - Ein weißes und ein rosanes, mit jeweils immer denselben Zielen, nur dass die Distanzen auf den rosanen Schildern stets geringer sind. Warum das so ist wissen wir auch nicht. Der erste Teil ist der große Pinienwald: Der Boden aus weichem, schwarzen Sand und der Weg super aufwendig mit schwarzen lavasteinen verziert. Es geht immer leicht bergauf immer tiefer durch den wunderschönen Nadelwald hindurch. Große Tannenzapfen und ein harziger Pinien-Geruch schwebt in der Luft. Eine kühle Brise zieht dann und wann vorbei. Erstmal nur wenig Höhenmeter aber viel Strecke, später gehts dann südlich des Montana del Fuego etwas steiler hinauf. Es folgt ein schöner Aussichtspunkt auf einem Felsen, wo man den Waldhang und das Meer gut überblicken kann.


Nachdem es hinter dem Feuerberg noch etwas milde dahin geht, wird es dann plötzlich sehr steil. Nach 2 Kehren wandern wir schließlich aus dem schönen Wald heraus und betreten die Vulkanwelt des Südens. Direkt vor uns ragt im schwarzen Sand-Gewand der erste große Vulkan auf. Es wird kahler und trockener, der Sandboden wird aber von einigen Sträuchern bewachsen. Es ist gerade so richtig einsam: Außer uns kein anderer mehr auf dem Weg zu sehen - Auch die Vielfältige Landschaft macht den Tag heute schon sehr lohnend! Es ist aber dafür schon ziemlich heftig heute, bei der Trockenheit, der Hitze und dem schweren Trekkingrucksack eine so weite Etappe zu wandern. Der Weg führt zur linken Seite des Vulkans und dann weiter nach Süden: Dort gibt es dann einen Abzweig hinauf auf den schwarzen Vulcan de Martin. Unser erster "Gipfel" wenn man so will. 2:50h haben wir bis hier her gebraucht.


Auf dem Vulkan Martin
Vom rötlich gefärbten Krater aus kann man jetzt auch super den Rest des Tages überblicken: Eine noch sehr weiter Route zwischen den vielen anderen Kratern entlang. Dass es noch ein gutes Stück bergauf geht ist auch schon deutlich. Der nächste Aufstieg lässt nicht lang auf sich warten. Hier kommen uns jetzt doch ganz schön viele andere Wanderer entgegen.. Der sandige Boden bleibt weiterhin unser Weg, und es geht wieder zwischen Pinienbäumen weiter. Rechts und links erheben sich weitere kleine Vulkankrater. Über ein langes Gehstück geht es bergauf bis zu einer weiteren Hochebene. Dort wieder etwas durch den Wald und schließlich, an einer Lichtung erblicken wir vor uns den höchsten Vulkan des Südteiles: Die Deseada.

Die Vulkanroute von Vulkan Martin

Wir ächzen über den neu entdeckten Gegenanstieg. Erst wieder etwas bergab und dann ein steiles Serpentinenstück den Hang zum Gipfelpunkt hinauf. Oben auf der Deseade stehen wir wieder am Rande eines Kraters. Wunderschön! Besonders gewaltig an der Aussicht: Man sieht im Süden von wo wir gekommen sind und die südliche Spitze der Insel, dann zu beiden Seiten das unendliche Meer. Im Süden erblicken wir die Insel La Gomera und im Osten ragt der Teide auf Teneriffa auf. Der Blick nach Norden zeigt uns das Erste Mal das noch sehr weit entfernte Tourenziel. Die gigantische Caldera wirkt noch so weit weg, dass ich mir gerade nicht vorstellen kann, wie wir da in 2 Tagen oben stehen wollen.

Ausblick von der Deseada

La Malforada
Aber leider sind wir noch lange nicht am Tagesziel. Es geht erst steil bergab und der Route weiter nach Norden folgend zum nächsten Vulkan "Duraznero". Hier stauen wir über das große Lavabecken "La Malforada", dass 1949 beim letzten Ausbruch des San Juan alles überdeckt hat. Nach etwas weiterem Gegenanstieg tut der Rucksack schon ganz schön drücken. Aber bevor es dann auf die nächsten Vulkankrater zugeht, zweigt der Weg schließlich nach links ab und es geht deutlich bergab, wieder hinein in den Pinienwald. Bei diesem Abstieg kann man auch schon gut erkennen wie weit es noch ist: Ein ganzer Wald liegt hier noch vor uns. Achja: Der schöne, brüne Bergrücken mit der großen Antenne ist der weitere Weg für Tag 2.


Im dichterer Wald hinter einer Brücke, wird es wider idyllisch und man muss einfach den Wanderschildern bergab folgen. Nach etwas Hatscherei folgt ein kleiner Abzweig nach links der nun wieder einen Hang steil hinauf geht. Ist der Aufstieg geschafft, geht es dann nach Osten weiter in den dichten Wald. Hierbei merken wir schließlich die Veränderung der Vegetation: Es wird plötzlich feuchter: Mossige Steine, tropische Bäume und viele Pilze sind jetzt zu finden. Nach gesamt 7:30 sind wir dann endlich in El Pilar: Eine Camping Anlage mit einer Hütte direkt an der Straße. Normalerweise kann man sich für das Rifugio einen Schlüssel holen um darin zu schlafen - oder auf den Zeltplätzen zelten. Es gibt Grillplätze, Toiletten, Wasserstationen und überdachte Sitzanlagen. In unserem Fall gibt es das aber alles nicht (wegen Corona hat alles zu). Die Häuser sind alle verammelt, die Wasserhähne abgedreht und mit Absperrbändern alles verboten.


Angekommen in El Pilar
Wir schaffen es trotzdem an Wasser zu kommen, verbringen einen schönen Abend unterm Sternenhimmel und kochen unser mitgebrachtes Essen. Übernachtung dann mit Schlafsack und ISO Matte unterm freien Himmel. War soweit alles top, nur dass wir am nächsten Morgen dann sehr unsaft geweckt wurden. Ein Ranger kam um 7:30 Uhr und hat uns recht erbost dann verscheucht. Naja Frühstück dann halt unterwegs...