Der Eisenerzer Reichenstein ist der bekannteste Klassiker in den gleichnamigen Eisenerzer Alpen in der Steiermark. Der Berg ist besonders bekannt für die vielen eindrucksvollen Arbeitsrampen der damaligen Erzförderungen. Während der Normalweg zum Gipfel von Präbichl führt, haben wir unsere Tour südlich, etwas hinter Trofaiach gestartet – was eine Überschreitung des Berges und deutlich mehr Höhenmeter mit sich bringt.

Von Trofaiach fahren wir von der Autobahn ab und folgen einer Landstraße weiter nach Norden bis zum Krumpenbach Parkplatz bei Unterburgfried. Ab hier starten wir an einem noch kühlen Herbstmorgen unserer wirklich lange Wandertour. Für meine Freundin Milica die erste gemeinsame Bergtour! Noch im dichten Nebel folgen wir der Forststraße weiter ins Tal hinein nach Norden und machen die ersten paar Höhenmeter.

Der Wald hat ein buntes Blätterkleid und die Stimmung ist geradezu mystisch. Der Boden noch etwas gefroren. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Hirn-Almen, die schon im Oktober geschlossen sind. Wir folgen der Forststraße immer weiter bis sich der Nebel langsam lichtet und die Sonne beginnt zu wärmen aber auch die Landschaft in goldene Farben hüllt.


Irgendwann endet die Forststraße und wird zum schmalen Wanderpfad der sich herrlich durch die beispiellose Natur schlängelt. Etwas näher der hohen Bergwände erreichen wir schließlich einen gold-leuchtenden Laubwald, durch den der Weg nun über viele Serpentinen gemächlich den Berg hinaufführt. Nach fast 2 Stunden und 570hm erreichen wir dann schließlich die Anhöhe und beim Durchdringen der Baumgrenze blicken wir hinter uns auf gewaltiges Wolkenmeer über der ganzen Steiermark!

Hier befindet sich nun auch die Krumpenalm welche sich unweit vom Krumpensee befindet. Dort genießen wir das herrliche und gleichzeitig einsame Bergpanorama. Unsere Route heute ist konditionell schon fordernd, aber deshalb sind wir auch vollkommen allein unterwegs! Dann erblicken wir den kleinen See etwas unter uns. Die rießige Bergwand des noch hoch über uns aufragenden Eisenerzer Reichensteins spiegelt sich auch klar auf der See Oberfläche.

Hier folgen wir nun den Wanderweg rechts vom Berg weiter, welcher uns zwischen den Zinken und dem Reichenstein in den Talschluss hinaufführt. Es wird schnell karger und alpiner. Rechts von uns entlang des Grüblzinkens verläuft auch ein Klettersteig: „Grete Klinger Steig B/C“. Nach bisher gemütlichen Höhenmetern erreichen wir dann eine Scharte zwischen Grüblzinken und Reichenstein. Ab hier erreicht man die Nordseite des Berges und damit aber leider auch die Schattengekehrte Seite.

Hier folge dann für uns der gefährlichste Abschnitt der Tour: Eine vereiste, kurze Hangquerung. Der Schnee im steilen Hang war komplett hart und es gab lediglich ein paar eingefrorene Trittspuren. Mit nur einem Wanderstock und ohne Grödel hätte man hier eigentlich umkehren müssen, es war also ein Fehler, dass wir weitergegangen sind. Jedoch haben wir es probiert und glücklicherweise ohne ausrutschen über das steile Eis geschafft – im Nachhinein wird einem klar wie gefährlich das eigentlich war!

Zum glück waren dies nur insgesamt 100 Meter und wir erreichten daraufhin um die nächste Kurve die Westflanke, über die auch der Normalweg von Norden verläuft. Hier trafen wir schlagartig auf einen ganzen Menschenzug, der hier unterwegs war. Aber man erhält auch eine echt tolle Aussicht auf die schönen Berge im Norden! Über die Nordostflanke des Berges folgt der Weg etwas querend nach Süden weiter und dann in vielen, vielen schmalen Serpentinen dann die letzten 300 Höhenmeter hinauf.

Auch hier einige kleine Schneefelder aber diesmal sehr harmlos. Manchmal kann man sich auch versteigen, da es wohl mehrere Pfade zum Gipfelplateau gibt. Doch dann nach den letzten Anstrengungen erreichten wir das Reichenstein-Haus, von dem es dann nach links nochmal die letzten wenigen Höhenmeter zum Gipfelkreuz hinaufgeht. Ein toller Gipfelsieg mit einer grandiosen Rundumsicht!

Anschließend sind wir dann für eine Suppe und ein Bier in die Reichensteiner Hütte eingekehrt, wo bereits eine tolle urige Stimmung war. Diese Pause brauchten wir auch, denn die Tour war hier noch lange nicht vorüber! Nach der Aufwärmpause starteten wir wieder los um nun den Bergrücken des Reichensteins weiter nach Süd-Westen zu folgen. Leider fegte jetzt ein echter Orkan und der kalte Wind machte uns am meisten zu schaffen.

Nichts desto trotz war der Weg über die grasigen Rücken wirklich schön und eindrucksvoll. Nach etwas gerader Strecke folgte dann der grasige Abstieg in das West-Joch des Berges. Ein Blick zurück auf die Hütte ist wirklich schön! Der Weg hinab wird dann aber doch nochmal etwas ausgesetzter und gerade bei dem starken Wind gar nicht so ohne. Ab dem Joch gings dann deutlich angenehmer aber auf schmal bleibenden Wegen im Zick-Zack wieder zur Südseite hinunter.

Dann quert der Weg über Schotterfelder direkt unterhalb der Südwände entlang. Vielleicht das eindrücklichste der heutigen Tour! Milica hatte starke Knieschmerzen, da sie für so eine Tour noch nicht trainiert war, aber wir ließen uns daher einfach genug Zeit und kamen langsam voran. Denn es bot sich hier auch eine unfassbar tolles Herbstbild mit später Sonne in den Tälern unter uns! Hach…



Dann geht’s über einen grasigen Buckel des Südarmes hinüber wieder auf die Seite, in der wir bereits wieder unseren See vom Aufstieg erblicken konnten. Gerade hier sieht man sehr gut die ganze Bergfront des Eisenerzer Reichensteins und kann nachvollziehen, wo man gerade langgewandert ist. Gemütlich aber langsam geht’s dann über den steinigen Abstiegsweg zurück zum See und dann schließlich wieder hinunter in das Tal von dem wir gekommen waren.

Von der Krumpenhütte folgten wird dem Weg über den bekannten Aufstieg wieder nach unten, wobei wir immer mehr mit den Knieschmerzen zu kämpfen hatten. Ganz unten angekommen wanderten wir sogar noch bis in die Dunkelheit mit Stirnlampen zurück zum Parkplatz. Fazit ist: Eine wirklich großartige Variante auf den Eisenerzer Reichenstein, viel interessanter als der Normalweg von Norden. Allerdings doch sehr konditionell fordernd und nichts für Neueinsteiger. Gerade im Herbst sollten hier bereits Grödel mitgeführt werden!
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