Die Tour im Überblick
In sieben Tagen wollten wir auf dem europäischen Fernwanderweg E5 von Oberstdorf nach Meran. Der E5 führt von der französischen Atlantikküste über die Alpen bis nach Verona. Unser Abschnitt gilt als der schönste und technisch anspruchsvollste Teil und wird deshalb immer beliebter.
Wir haben die Tour anders geplant, als es die meisten Reiseführer vorschlagen. Wir übernachten nach jeder Etappe im Tal statt auf den Hütten. Die Wege zwischen Tal und Trail überbrücken wir immer wieder mit dem Bus.
- Vorteile:
- Der E5 ist ziemlich überlaufen. Weil wir ein ganz anderes Timing haben als die Hüttengruppen, sind wir ihnen weitgehend aus dem Weg gegangen und hatten die Wege oft für uns.
- Es gibt mehr Komfort, nämlich eine frische Dusche, gutes Essen und Erholung. Dadurch kommt mehr Urlaubsstimmung auf.
- Nachteil: Einige Etappen werden dadurch ziemlich lang. Holzgau–Zams und Mittelberg–Vent muss man sich genau anschauen, ob man sie sich zutraut.
- Variante am Schluss: Die meisten Gruppen nehmen ab Tag 6 den Bus nach Meran. Wir haben stattdessen drei Etappen drangehängt und sind über den Meraner Höhenweg nach Meran gelaufen.
Tag 1: Spielmannsau – Kemptner Hütte – Mädelejoch – Holzgau (Dauerregen)
Wir sind mit dem Zug in Oberstdorf angekommen und weiter mit dem Bus nach Spielmannsau gefahren. Im Zug hatten wir noch die Hoffnung, dass es trocken bleibt. In Spielmannsau war sie dann komplett verflogen, denn es fing an zu regnen, und der Regen wurde beim Aufstieg immer stärker.
Der Weg führt zuerst an der Trettach entlang, die durch den Regen ordentlich Wasser führte. Dann geht es durch den Sperrbachtobel, eine eindrucksvolle Schlucht. Dort mussten wir einige Wasserfälle und Bäche durchqueren, und spätestens hier waren wir komplett nass.
Auf der Kemptner Hütte haben wir Pause gemacht. Der kurze Anstieg zum Mädelejoch (1973 m) an der deutsch-österreichischen Grenze hat uns wieder aufgewärmt. Die Berge steckten leider in Wolken, der Weg war trotzdem sehr schön.
Der Abstieg nach Holzgau dauert etwa zweieinhalb Stunden, mit Regen im Wechsel und nur ein paar Sekunden Sonne. Am Weg liegen:
- die Roßgumpenalm,
- ein Abstecher zum Wasserfall, der durch die Wassermassen heute besonders beeindruckend war,
- die 200 m lange und 110 m hohe Hängebrücke, die zeitweise die größte Österreichs war.
Abends haben wir in Holzgau unsere ganzen Sachen getrocknet.
Tag 2: Holzgau – Memminger Hütte – Seescharte – Zams
Es standen gut 1100 Höhenmeter Aufstieg und danach 1800 Höhenmeter Abstieg an. Nach einem Besuch im Supermarkt sind wir mit dem Taxi ins Madautal zum Parkplatz der Materialseilbahn der Memminger Hütte gefahren.
Der Aufstieg beginnt direkt an der Brücke und führt steil bergauf, teils über Holzstufen, mit schönem Blick zurück ins Madautal. Wir überqueren einen Bach über einen Eisensteg und sehen oben den Wasserfall, der von dort herunterrauscht. Die Memminger Hütte tauchte im Nebel auf. Wegen einsetzenden Regens haben wir dort Pause gemacht.
Danach ging es zur Seescharte (knapp 2600 m). Wir kamen am unteren Seewisee vorbei und trafen dahinter auf eine Herde Steinböcke. Am oberen Seewisee ging der Regen in Schnee über. Unterhalb der Scharte sichert ein Stahlseil den Fels, dem wir nach oben gefolgt sind. Die Scharte soll schon in der Steinzeit als Übergang ins Inntal genutzt worden sein.
Dahinter beginnt der lange Abstieg, zuerst über losen Schotter, dann über Wiesen mit kleinen Felsstufen, wo hin und wieder die Hände zum Einsatz kommen. Die Oberlochalm ist je nach Jahreszeit die einzige Einkehrmöglichkeit im ganzen Abstieg. Die Unterlochalm war leider geschlossen. Dann folgt der Steig durch das Zammer Loch. Der felsige Saumpfad wurde für das Milchvieh aus dem Fels gesprengt, 1890 sind dort zuletzt 120 Kühe gegangen. Er ist stellenweise ausgesetzt, heizt sich im Hochsommer stark auf, und der endlose Abstieg fordert seinen Tribut. Über die Inntalautobahn und den Inn kamen wir nach Zams.
Mein Fazit: ein sehr schöner, aber brutal langer Abstieg. Die 1800 Höhenmeter hauen ordentlich rein, besonders wenn man am selben Tag noch zur Memminger Hütte aufsteigt.
Tag 3: Über die Glanderspitze nach Wenns
Eigentlich wollten wir mit der Venetbahn hochfahren. Morgens haben wir erfahren, dass sie nicht fährt. Deshalb sind wir mit dem Bus Richtung Fließ bis zum Abzweig Gogles Alm gefahren und von dort über die Gogles Alm aufgestiegen. Das waren rund 700 Höhenmeter mehr als geplant.
Der Weg führt über die Gogles Alm zur Glanderspitze, dem Hauptgipfel des Venet-Massivs. Das Wetter war perfekt, mit Sonne von Beginn an und strahlend blauem Himmel. Wir waren den ganzen Tag allein unterwegs. Später haben wir erfahren, dass die meisten Gruppen die Etappe wegen des Ausfalls übersprungen haben. Die Aussicht oben ist grandios, die Glanderspitze solltet ihr nicht auslassen.
Danach sind wir auf dem E5 weiter, über den Breitenberg-Rücken und die Galflunalm, an der Larcheralm vorbei bis nach Wenns im Pitztal. Dort haben wir in einem modernen, günstigen Hostel mit Gemeinschaftsküche übernachtet.
Tag 4: Mittelberg – Braunschweiger Hütte – Rettenbachjoch – Vent
Mit dem Bus ging es ins Pitztal bis Mittelberg. Der Aufstieg beginnt auf einem Forstweg bis zur Gletscherstube. Dann biegen wir auf den Wasserfallweg ab, der in vielen Kehren zunehmend steiler wird. Teile sind mit Stahlseilen gesichert, eine Selbstsicherung brauchten wir aber nicht. Am Klettersteig (Kategorie C) sind wir vorbeigegangen, mangels Ausrüstung. Beim Aufstieg zur Braunschweiger Hütte war mehr Verkehr auf dem Weg, wir haben auch die eine oder andere Gruppe überholt.
Nach einer Trinkpause auf der Sonnenterrasse stiegen wir zum Rettenbachjoch auf, den höchsten Punkt des Tages (knapp 3000 m). Die gesicherten Stellen sind einfach, aber in dieser Höhe anstrengend. Ab dem Joch waren wir wieder fast allein. Viele Gruppen nehmen die Seilbahn zum Restaurant, wir sind über die Skipiste abgestiegen. Der Schnee war sulzig und gut zu gehen. Wer nicht laufen will, kann die Gondel nehmen (7 € Talfahrt), die uns aber kaum Zeit gespart hätte.
Wir haben ungefähr 10 Minuten auf den Bus gewartet, der uns durch den Tunnel zum Tiefenbachferner brachte. Von dort ging es über den Venter Höhenweg weiter. Der Weg zieht sich in einem langen Bogen um den Kessel, mit vielen kleinen Gegenanstiegen. Es dauert, bis man Höhe verliert. Der Abstieg über den Höhenweg war auf jeden Fall eines der Highlights der Tour. Wir kamen nach 6 Uhr in Vent an, waren seit 8:30 Uhr unterwegs und hatten nur kleine Pausen. Das ist eine ordentliche Tour, für die man viel Zeit einplanen sollte.
Tag 5: Vent – Martin-Busch-Hütte – Similaunhütte – Madonna di Senales
Heute gehen wir eine Variante zum klassischen E5, der eigentlich übers Timmelsjoch führt. Wir nehmen den Weg über Vent und die Similaunhütte, was schon unsere fünfte Etappe ist. Wir kamen an Schafherden vorbei, mit dem schneebedeckten Similaun im Sonnenlicht im Hintergrund, und erreichten die Schäferhütte. Vor der Martin-Busch-Hütte liegt ein Funkloch. Dort haben wir eine kurze Trinkpause gemacht und den Blick auf die Hintere Schwärze genossen.
Danach ging es durch Blockgelände mit kleinen Gletscherseen hinauf zur Similaunhütte (3019 m), dem höchsten Punkt der Etappe. Mit Blick auf den Gletscher wirkt das wie eine leichte Hochtour, aber sehr schön und mit Aussicht, also durchaus zu empfehlen, solange der Gletscher noch da ist. Seit unserem letzten Besuch ist er schon wieder ein Stück abgeschmolzen. Bei der Hütte gab es ein leckeres Mittagessen und Sonne auf der Terrasse.
Der Abstieg über das Niederjoch begann in Wolkenschwaden, in mystischer Stimmung, anfangs steil und stellenweise mit Ketten und Seilen gesichert. Danach wurde es grüner, mit Bächen, Kuhherden und Lärchenwald. Wir kamen am Friesenhof vorbei und über den Vernagt-Stausee. Dort ging es über die Staumauer und über ein paar Treppen zu unserer Unterkunft in Madonna di Senales.
Tag 6: Meraner Höhenweg bis zur Nassereithütte
Am sechsten Tag gehören wir nicht zu denen, die am Stausee den Bus nach Meran nehmen. Wir laufen zwei weitere Tage über den Meraner Höhenweg weiter, heute zur Nassereithütte.
Der Höhenweg umrundet die Texelgruppe und gibt Blicke auf Meran, den Vinschgau, das Passeier- und das Schnalstal frei. Der Nordteil ist hochalpin und braucht Kondition, den Südteil, den wir gehen, schaffen auch weniger geübte Wanderer. Entlang des Wegs gibt es viele alte Berggasthöfe und bewirtschaftete Almhütten, von denen viele auch Übernachtung anbieten. Außerdem gibt es etliche Auf- und Abstiegsmöglichkeiten per Bahn, Auto oder Bus, sodass man auch Teilstücke gehen kann.
Zu Beginn führt der Weg über Bauernhöfe, über Steintreppen auf und ab, am Waldhof vorbei (für eine Einkehr war es noch zu früh) und über einen kettengesicherten Steig zum Lindhof. Dort verlassen wir das Schnalstal und sehen unter uns im Vinschgau die Apfelplantagen. Bei Naturns kommen die Druckrohre des Wasserkraftwerks ins Bild, des größten in Südtirol (1135 m Fallhöhe). Dann geht es an der Bergstation der Seilbahn vorbei, am Gangmaienhof und über die Hängebrücke am Kirchgraben zum Kirchhof, wo wir Mittagspause machen.
Danach kommt der anstrengendste Teil des Tages: das Tal der 1000 Stufen. Es geht über viele Stufen steil hinab, mit einer weiteren Hängebrücke am tiefsten Punkt, dann wieder steil hinauf, zu einem schönen Wasserfall und wieder hinauf. Das ständige Auf und Ab über Steintreppen ist typisch für den Meraner Höhenweg. An der Bergstation der Texelbahn gibt es einen tollen Ausblick, dann kommt noch der Gegenanstieg am Gasthaus Giggelberg vorbei. Die Nassereithütte erreichen wir nach einem Abstieg durch den Wald. Sie ist sehr zu empfehlen mit gutem Essen, gemütlichen Doppelzimmern und angemessenen Preisen.
Tag 7: Nassereithütte – Hochmuth – Meran
Am letzten Tag überqueren wir den Bach und steigen über Steintreppen steil Richtung Tablander Alm. Auf einer Lichtung öffnet sich der Blick ins Vinschgau und bis nach Meran. Es geht durch dichten Wald, durch Tore, über flachere Passagen und ständiges Auf und Ab zum einzigen Gipfel des Tages, der Hohen Wiege (laut Transkript, die Schreibweise ist nicht sicher). Von dort sieht man Meran. Dann folgt ein gesicherter Abstieg Richtung Goldener Alm, mit traumhaftem Panorama.
Weiter ging es am Hochganghaus vorbei, dann über einen längeren Abschnitt zur Leiteralm mit einer weiteren Hängebrücke. Dort haben wir kurz Pause gemacht. Das letzte Stück zur Bergstation der Hochmuthbahn führt über einen etwas ausgesetzten, aber sehr aussichtsreichen Steig an der Steilwand entlang. Wir sahen einige Paraglider, die das tolle Wetter nutzten.
Statt die 800 Höhenmeter abzusteigen, sind wir mit der Seilbahn nach Dorf Tirol gefahren. Von der Talstation ging es in den Ortskern, wo wir vor dem Check-in noch ein wohlverdientes Eis gegessen haben. Am nächsten Tag geht es noch einmal über den Meraner Höhenweg bis zum Gasthof Talbauer.
Unser Fazit
- Wetter: Tag 1 hat uns richtig böse erwischt, Tag 2 war etwas besser, ab Tag 3 hatten wir meist Sonne.
- Schwierigkeiten: Die langen Abstiege nach Zams und Vent sind anstrengend, und ein Seilbahnausfall kann den Plan durcheinanderbringen.
- Highlights: Glanderspitze, der Abstieg vom Rettenbachjoch nach Vent und der Meraner Höhenweg.
- Empfehlung: Die Tour lohnt sich auch mit Übernachtung im Tal. Man sollte aber die langen Etappen realistisch einschätzen und die drei Tage Meraner Höhenweg anhängen, statt den Bus nach Meran zu nehmen.
*Tourenbericht mit KI aus den Videoinhalten zusammengefasst
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