Überschreitung des Hochkalters ins Ofental

Aufstieg: 1825 hm
Strecke: 18 km
Schwierigkeit: T5-T6

Der Hochkalter bietet neben dem Watzmann einer der absoluten Paradetouren im Berchtesgadener Land. Im Vergleich zur berühmten Watzmann-überschreitung, ist der Hochkalter kürzer von der Tourenlänge, dafür aber technisch anspruchsvoller. Es gibt einige ausgesetzte Kletterstellen bis zum dritten Grat und sehr viele Höhenmeter! Also ganz klar: Eine Tour für geübte Bergsteiger, mit viel Erfahrung, guter Trittsicherheit und Sicherheit im alpinen Gelände auch ohne Drahtseilversicherung.

Etwas oberhalb des Hintersees bei Ramsau starten wir unsere lange Tour vom Parkplatz P1 der Seeklause. Hier wird der Gipfel bereits mit 6 Stunden ausgeschildert. Wir folgen dem Steig durch den Wald in Richtung der Blaueishütte, die schon selbst ganze 3 Stunden Zustieg verlangt. Etwa eine Stunde über die Forststraße hinauf erreichen wir dann die Schärtenalm, die für eine erste Jause einlädt.

Dahinter eröffnet sich dann das großartige tiefe Blaueistal vor uns mit seinen imposanten Berggipfeln. Genau hier hinein führt uns der noch bequeme und breite Wanderweg. Nach einer Holzbrücke biegen wir an der Materialseilbahn dann links ab auf einen Steig, der uns über viele Treppenstufen sanft durch den Wald weiter hinaufführt. Nach etwa 2 Stunden taucht das Dach der Blaueishütte hinter ein paar Felsen dann schon vor uns auf.

Hier machen wir eine gemütliche erste Pause mit Kuchen und etwas Kaffee, bevor es ans Eingemachte geht! Der Blick von der Hütte auf den Blaueisgletscher (dem nördlichsten Gletscher der Alpen) ist schon jetzt wirklich beeindruckend! Die großen Bergwände rechts von uns markieren den weiteren Aufstiegsweg. Gut gestärkt machen wir uns wieder auf den weg durch einige Latschenkiefern hindurch.

Wir peilen ganz weit rechts eine Scharte an, die zwischen einer grasigen Rampe und dem bergkamm-beginn liegt. Dann geht’s wieder etwas bergauf und wir lassen die Hütte schnell hinter uns zurück. Wir genießen vor allem, dass im Vergleich zum Watzmann hier deutlich weniger Leute unterwegs sind! Nach etwa 30 Minuten erreichen wir hinter einer Infotafel und roten H.K. Initialen am Felsen das felsige Schotter Kar. Über dieses steigen wir nun über losen Untergrund langsam aber sicher weiter auf und betreten somit erstmals alpines Gelände.

Am oberen Ende des Schotterkars wartet die erste kleine Kraxelpassage auf uns. Über die Plattige Latschenwand (II) geht’s dann entlang breiter Risse ein kurzes Stück steil hinauf. Wer hier schon Probleme hat, sollte die Tour besser an dieser Stelle abbrechen. Die Platten führen uns durch weitere Latschenkiefern noch etwas weiter hinauf zum „Schönen Fleck“. Der Hochkalter bietet bereits hier ein ursprüngliches Bergerlebnis, denn auf technische Hilfsmittel wird an diesem Berg ganz verzichtet!

Erstmals über 2000m sind wir nun am Anfang der Gratüberschreitung angekommen. Nun steigen wir dem Bergrücken weiter folgend auf Wanderpfaden weiter hinauf. Auf dem Zickzack des Weges tauchen auch immer wieder kleinere Kletterstellen im I. Schwierigkeitsgrad auf.  Dann erreichen wir die Schlüsselstelle der Tour: Eine kurzer Wandaufschwung (III- oder II+) ungefähr 15 meter hoch. Es gibt aber sehr gute Tritte und Griffe, weshalb es wirklich halb so wild ist.

Jetzt folgen wir dem Steig überwiegend im Gehgelände weiter hinauf. Den ersten Nebengipfel „Rotpalfen“ umgehen wir, können aber eindrucksvolle Felswände bestaunen. Dann geht’s kurz über ein Schneefeld im mittelschweren Wandergelände weiter. An einer stelle muss man kurz um eine Ecke (I) klettern, was hier sehr ausgesetzt ist, denn man ist direkt über dem Abgrund und erhält unglaubliche Tiefblicke… Generell wird die Aussicht immer beeindruckender.

Es folgen noch einige weitere einfache Kletterstellen (I+) zum Vorgipfel, dem Kleinkalter. Jetzt fehlen nur mehr 100 hm zum Hauptgipfel, der bereits gut sichtbar ist. Im Auf und Ab geht’s weiter am Berggrat im einfachen Gehgelände weiter. Zum Ende wird’s nochmal deutlich alpiner mit sehr einfachen Kraxelpassagen. Kurz vor dem Gipfel folgt noch eine kurze Steilstufe (II) einen etwas anspruchsvolleren Abstieg. Dann über wenige meter Kraxln erreichen wir den imposanten Gipfel des Hochkalter nach gemütlichen 6 Stunden!

Der Bergkamm der das Blaueistal umarmt! Daher der Name „Kalter“ – Das Gefäß. Manche erfahrenen Bergsteiger mit Seilschaft machen auch die „Blaueisumarmung“, was dann auch die gegenüberliegenden Bergkämme der Schärtenspitze miteinschließt. Keine Frage: Die Rundumsicht auf Watzmann, steinernes Meer, Reiteralpe im Westen und der Blick nach Unten, wie sich der Blaueisgletscher den Weg ins Tal bahnt, sind legendär!

Über die Ofentalscharte steigen wir nun wieder ab. Diese Route ist bei schlechten Bedingungen und viel Altschnee eher nicht zu empfehlen und kommt ganz ohne bewirtschaftete Hütten einsam aus. Zunächst müssen wir hier gute 300hm über sehr alpines und abschüssiges Gelände vorsichtig Absteigen. Der Abstieg erinnert sofort an den Abstieg der Watzmann Südspitze. In dieser Rinne gibt es kleine Felsstufen im 1. SSG, viel Kiesel und Geröll.

Weiter unten schwenkt die Route nach links rüber und quert auf abfallenden Bändern in die Ofentalscharte hinein. Nach noch mehr steilen Abstieg erreichen wir dann endlich das obere Kar des breiten Ofentals, ein typisches von Gletschern überformtes Trogtal. Auf dem feinen Schotterfeld können wir nun ein gutes Stück schnell abfahren, bis die Felsen zu grob werden. Nach kurzer Zeit erreichen wir schon wieder grasigen Untergrund, und ab hier zieht sich der Abstieg einfach auf unendlich vielen Serpentinen seinen Weg nach unten.

Erst durch Latschen, dann nach und nach in den Wald hinein. Die langen Schleifen ziehen sich ganz schön in die Länge. Irgendwann gibt’s ein Wanderschild zum Hintersee mit 1:45 Std. Gehzeit. Dann wirklich tief im Wald über den schmalen Wanderweg geht’s für uns die letzten Höhenmeter hinunter zum Klausbachtal, wo wir direkt auch den Klausbach überqueren. Damit haben wir den Boden der Tour wieder erreicht und haben nun nur noch ein paar Kilometer Distanz auf dem Familienfreundlichen Wanderweg zurück zum Parkplatz am Hintersee. Was für eine großartige Tour!

Tourendaten

Aufstieg 1825 hm
Strecke 18 km
Höchster Punkt 2607 m
Ausgangshöhe 785 m
Gehzeit 10h
Schwierigkeit T5-T6
Höhe 2.000 m+

Ziele dieser Tour

Detailbewertungen
Landschaft 5/5
Markierung 4/5
Bewirtung 3/5
Abenteuer 4/5
Frequentierung 3/5
Kondition 5/5
Gefahrenpotential 4/5

Bilder

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