Über das Hinterautal von Süden auf die Laliderer Spitze
Hierbei handelt es sich um eine erstklassige Kombitour im Karwendel. Die Laliderer Spitze und ihre imposante Nordwand gilt unter Kletterern als legedär! Aber auch von Süden ist es für Wanderer ein tolles Bergziel hoch oben im Karwendel - mit sagenahaften Weitblicken! Da der Ausgangspunkt von der Kastenalm doch sehr tief im Tal ist, ist diese Tour Bike & Hike.

Zusammen mit unzähligem Radfahrer und Wanderern die alle von Scharnitz aus in die Karwendeltäler aufbrechen, starte auch ich mit meinem MTB hinein ins Hinterautal zur Kastenalm weit hinten. Dabei geht’s gute 350hm auf 16km in gemächlicher Steigung hinauf. Entlang der Isar bieten sich beim Fahrradabenteuer schon eindrucksvolle Ausblicke.

An einigen Hüttchen vorbei erreiche ich auch die Isarquelle südlich der Birkkarspitze. Ein kleiner Pausenort wo man die winzigen Bachläufe der Isar aus dem Boden entspringen sehen kann. Jetzt ragen die Gipfel immer höher über mir auf. Da ich mitten im Herbst unterwegs bin, ist es hier, in diesem unglaublich tiefen Tal ohne Straßen auch eher menschenleer und verlassen, und die Berge verschwinden oberhalb der Baumgrenze in einer dicken Nebelwolke.

Nach 1,5 Stunden radeln und 14km fahre ich an der Kastenalm vorbei und hinein in den dahinterliegenden Kastenwald. Dort gelange ich mit dem MTB noch etwas holprig über Schotterwege tiefer ins Tal hinein und muss bald einer Forststraße etwas steiler bergauf folgen. Nach genau 16 KM ist dann schließlich Schluss fürs Bike und es geht zu Fuß mit dem Rucksack weiter.

Kurz hinterm Fahrradstellplatz erreiche ich auch schon das Ende des kleinen Waldes und steige etwas steiler tiefer ein in das Hinterautal. Bald folgt das ausgetrocknete große Flussbett aus endlosen Kieselsteinen, was an eine Moräne erinnert. Der Wanderweg schlängelt sich immer seitlich entlang des Bachlaufs, auf abwechselnden Seiten, aber immer etwas auf höher am Hang. Das Ganze zieht sich ein bisschen, aber nach einer guten Stunde erreiche ich den Hinteren Boden des Tals.

Hier geht’s dann recht deutlich, den Wegen folgend, links den steilen Hang hinauf. Ganz offensichtlich zwischen den Bergwänden auf ein breites Joch zu. Der Weg ist sehr naturbelassen und geht viel durchs Gestrüpp, und wird bald zunehmend steiler und fordernder. Hinter mir lasse ich nun das Ende eines Wolkenmeers zurück das vorher noch über mir hing. Schnell klart der Vormittag auf und es wird sonnig und herrlich herbstlich!

Das heute ist etwas ganz Besonderes: Denn ich bin nicht nur völlig allein ganz tief drin im Karwendel, sondern es ist auch ein perfekter Berg Tag und das ganz ohne Massentourismus! Je höher ich steige, desto tollere Ausblicke auf die gegenüberliegenden Karwendelspitzen „Brantlspitze, Gamskarspitze, Hallangerspitze usw.“ ermöglichen sich. Deren Wände sind doch schon sehr eindrücklich! Auch der Blick hinüber ins Roßkar, über das ich absteigen werde, ist schon toll. Allerdings habe ich ein bisschen Magenbeschwerden und spüre mit dem schweren Rucksack den langen Aufstieg schon deutlich. Immerhin geht’s ab dem Fahrrad noch 1200hm hinauf bis zum Tagesziel!

Weiter oben wird’s schnell felsiger und noch einsamer, nur ein paar Gämse kreuzen meinen Weg. Nur wage lässt sich sagen wie weit es noch bis zur Laliderer Spitze ist, denn der Blick nach vorn zeigt nur weiteres Bergeinöd. Nach etlichen Pausen und noch weiteren Höhenmetern verläuft der Anstieg nun durch etwas Schnee weiter. Auch die Berggipfel links von mir sind leicht angezuckert. Dann noch etwas weiter, jetzt im reinen Felsgelände, erblicke ich schließlich ganz weit hinten die winzige Biwakhütte am Joch.


Diese letzten anstrengenden Höhenmeter fordern noch die letzten Reserven aber dann ist es endlich geschafft! Ich habe das kleine Lalidererspitzen-Biwak erreicht! Die Laliderer Spitze und ihre Nordwände gelten im Karwendel als Legendäre Kletterwände. Nur die ambitionierten und erfahrenen Kletterer steigen in diese imposante und gut 700hm lange Felswand, die sich von der Falkenhütte erhebt, ein. Da so eine Klettertour als Tagestour mit abstieg im Norden praktisch undenkbar ist, gibt es speziell dafür das Biwak unterhalb des Gipfels, welches ebenso eindrücklich und besonders ist: Ein UFO, ganz aus Metall mit einem Glasdach – wirklich ein besonderes Teil!


Ich kehre ein und richte meinen Schlafplatz drinnen ein, als schon bald noch eine kleine Gruppe von 2 Männern auftaucht, die wohl denselben Plan hatten wie ich. Hinweis: Dieses Biwak ist nicht für geplante Übernachtungen erlaubt – demnach muss einem bewusst sein, dass bei einer Bergnot der Platz sofort zu räumen ist. Ich gehe immer davon aus, dass ich auch nachts absteigen kann, sollte jemand dringend den Platz im Notbiwak benötigen!

Die zwei Anderen und ich verstehen und sofort super und wir tauschen Snacks aus. Zusammen wandern wir dann noch zum Gipfel der Laliderer spitze wo es eine doch echt unglaubliche Aussicht gibt! Die ganze Biwak-Schachtel liegt so unglaublich schön hier oben! Ein kleiner Rückzugsort mitten im Schnee, mit einer Rundumsicht durchs ganze Karwendel – einfach der Hammer! Wie schauen den Sonnenuntergang an und die Temperaturen fallen sofort drastisch (auch unter 0). Doch allein durch Tee-Lichter und Körperwärme ist es trotzdem im Biwak angenehm warm!


Wandern
Kaj 







