Mangart – Einer der großen Klassiker in den Julischen Alpen! Und dazu auch ein richtiger Koloss. Ich habe mir diese Tour sehr spontan ausgesucht, aber nicht wie 99% der Mangart-Gipfelaspiranten, die von slowenischer Seite die Cesta na Mangart auf 2000m rauffahren und von dort nur die fehlenden 600hm zum Gipfel aufsteigen, sondern stattdessen starte ich weit unten im Norden bei Tarvisio in Italien – was die Besteigung über die Nordwand über 2 Klettersteige zu einer wirklich anspruchsvollen Tagestour macht!

Aufstieg zum Fratelli Nogara Biwak
Von Graz fahre ich über Villach weiter über die Landesgrenze bis zur Ausfhart Tarvisio und über die Ortschaft „Fusine in Valromana“ geht’s nach Süden auf den Mangart zu. Die Straße geht im Wald den Hang hinauf und an zwei wunderschönen Bergseen vorbei bis zum großen Wanderparkplatz auf etwa 900m. Von hier beginne ich meine Wanderung noch sanft über die Forststraße Strada Rifugio Zacchi durch etwas Wald nach Süden. Nach guten 1,5km verlasse ich den Forst und über die große Lichtung der Alpe Tamer blicke ich nun demütigst auf die gigantische und beeindruckende Nordwand des Mangarts.

Blick auf die Mangart Nordwand
Man kann sich kaum vorstellen, nur an einem Tag hier komplett rauf und wieder abzusteigen, so groß wirkt alles. Ich überquere die große Alm und finde den Zustiegsweg in Richtung der Mangart Scharte. Hierbei tauche ich ein in einen beispiellos schönen Birkenwald durch den es dann bald zum langen Anstieg übergeht. Denn jetzt geht’s zur Ersten Anhöhe gute 400hm durch den Wald steil bergauf. Oben angekommen lichtet sich der Wald und eine große Graswiese eröffnet wieder den Blick auf die großen Kalkwände. Es scheint immer noch unendlich weit zu sein…

Nach dem ersten Waldaufsteig - eine schöne Wiese!
Weiter über das hohe Gras steige ich den Markierungen folgend weiter die Hügel vor mir auf, bis der Weg dann nach rechts eine Biwak-Hütte mit 1 Stunde Gehzeit ausschildert. Bislang bin ich vollkommen allein am Zustieg. Jetzt folge ich dem deutlich alpineren Zickzacksteig am Osthang rechts von mir. Schnell kommen erste Drahtseilgesicherte Stellen, die zwischen den Felsen hindurchführen, gefolgt von weiteren schmalen Gehpassagen am Gras hang.


Es weird steiler...
Einmal geht’s durch eine schmale Schlucht hindurch. Dann folgen wieder ewige Serpentinen am Steilhang. Der Blick nach unten auf das Kar wird schnell tiefer und tiefer, die hohen Bergwände nähren sich zunehmen, wenn auch immer noch riesig und hoch über mir. Nach insgesamt bereits 1000hm und guten 2 Stunden erreiche ich dann die Bivacco Fratelli Nogara direkt am Abzweig zum Klettersteig. Die Biwak Schachtel liegt hier wunderschön, und bietet 9 Hängebetten mit Matratzen und Wolldecken. Ich mache erstmal eine ausgedehnte Pause bevor ich wieder durchstarte.



Das Biwak ist toll!
Dann treffe ich auf einen Wanderer der mir vom Klettersteig und Gipfel aufgrund dem angekündigten Nachmittagsgewitter abraten will. Allerdings habe ich die Wetterdaten gut studiert und bin mir doch sehr sicher, dass es frühestens zur Späten Abendstunde beginnt und jetzt ist gerade mal 11:30 Uhr.
Via Ferrata Italiana (C)
Hinter der Hütte steige ich dann ein in den ersten Klettersteig, dem Via Ferrata Italiana al Mangart (weil der auf der Italienischen Seite des Berges liegt). Der Klettersteig (C) geht gute 300hm die Nordwand hinauf und dauert je nach Können ca. 1 Stunde. Es ist besonders imposant, weil man hierbei tatsächlich am oberen Abschnitt dieser gewaltigen Wand ziemlich schwindelerregend die Wand quert und aufsteigt. Zunächst geht’s über eine Rampe (A/B) (Steinschlaggefährdet) hinauf und durch einen Höhlendruchschlupf hindurch.

Höhlendurschlupf
Dann folgen leichtere Abschnitte und etwas Schutt / Gras bis ein sehr steiler, senkrechter Aufschwung durch einen Kamin über Trittklammern nach oben beginnt.


C-Stellen und Überhangquerung
Gefolgt von einer leicht überhängenden Querung um eine Kante herum und weiter zu den oberen Bändern (B). Diese gehen sehr leicht aber bieten unglaubliche Tiefblicke unter sich. Am Notausstieg befinde ich mich bereits ganz oben an der Klippe und muss lachen, weil mich plötzlich Tagestouristen vom gemütlichen Wanderweg (hinter der Klippe) von der slowenischen Seite anstarren und nicht fassen können was ich da mache. Jetzt geht’s noch über ein Erdiges Band (A/B) nach links weiter bis zum offiziellen Ausstieg über eine Rinne hinweg und man steht plötzlich auf einem Menschengeflutetem Wanderweg.

Höhenangst zuhause lassen!

Kuck-Guck!
Topo siehe: https://gorskaprzygoda.pl/wp-content/uploads/2016/07/Mangart-via-Italiana-40.jpg
Damit bin ich auch über die Grenze nach Slowenien gestiegen und sehe unterhalb des großen Plateaus an die ganzen Reisebusse parken, ganz schön irre. Jetzt wird’s aber wichtig: Wenn ich noch den zweiten Klettersteig gehen möchte, muss ich jetzt etwas bergab in Richtung der Parkplätze gehen und dann scharf nach links auf den Westzustieg des Mangarts zu gelangen. Zwischen mir und dem Gipfel folgen noch weitere 400hm und einer guten Stunde höchst-alpines Gelände.

Via Ferrata Slovena (B, I+)
Nach etwas suchen finde ich den Einstieg, wo auch schon deutlich weniger Menschen unterwegs sind, aber immer noch ziemlich viele. Eine Wolke bedeckt den oberen Gipfelaufbau, weshalb die ganze Kulisse richtig wild wirkt. Durch eine erste Rampe starte ich mit A/B einfach. Der Klettersteig ist technisch sehr einfach, ist aber hochalpin und fordert auch einige 1+ ungesicherte Kletterabschnitte. Bei mir macht sich zunehmend die körperliche Erschöpfung bemerkbar, weshalb ich immer mehr Pausen mache.


Mitten im Klettersteig Slovena
Doch die krasse Bergkulisse die dieser Steig bietet ist schon richtig toll und erinnert mich an den Triglav. Zwischen den hohen Felswänden steigt man langsam stück für stück auf, an einer Schlucht vorbei und dann über eine ewige gestufte Geröllrinne langsam hinauf. Irgendwann bin ich total erschöpft und bin froh, dass bald Schluss ist. Als ich die Westschulter des Mangartgipfels erreiche staune ich über die Aussicht nach Süden in die julischen Alpen. Jetzt folgen die vielleicht schwersten Abschnitte des Steigs, denn es wird viel mit Händen gekraxelt über viele hohe Felsstufen hinweg.

Letzter Abschnitt von der Westschulter
Zunächst fast senkrecht in einen Kamin und dann abflachend bis zum Gipfelkreuz des Mangarts – Geschafft! Was für ein toller Gipfelsieg!
Topo siehe: https://i.pinimg.com/originals/8d/55/2f/8d552f794fe56130748b6c388d4c17ba.png

Abstieg & Fazit
4,5 Stunden habe ich insgesamt gebaucht – eigentlich ziemlich flott! Über den Normalweg nach Osten steige ich gemütlich über einfache Wanderpfade und mit vielen Menschen ab. Hierbei findet sich auch ein möglicher Einstieg in eine wilde Gratüberquerung zum kleinen Mangart (ist sicher mal eine coole Tourenidee!). Aber für mich geht’s weiter in Richtung der Mangartscharte in der Nähe des Parkplatzes. Noch immer steigen viele Leute hinauf und kommen mir entgegen.

Hier endet die Bergstraße und die meisten Tagestouristen starten von hier.
Irgendwann erreiche ich dann die Mangartscharte über die ich jetzt wieder nach Norden nach Italien gelange. Hier folge ich dem Abstieg zurück bis zur Biwakschachtel, der genauso ist wie der Aufstieg. Im Biwak mache ich erneut eine Pause und steige anschließend den ganzen Weg wieder so ab wie ich gekommen bin. Nach 7,5 Stunden Gesamttourenlänge bin ich wieder am Parkplatz. Das Gewitter beginnt schließlich als ich mich wieder auf der Autobahn befinde.
Eine wirklich phänomenale Kombitour! Ich würde auf jeden Fall die längere Variante von Italien aus empfehlen: Weniger Straßenmaut, weniger umständliche Anreise über Slowenien, deutlich schönere Berglandschaften, viel weniger Wanderer zu Beginn und den wirklich lohenden VF Italiana noch on Top! Auch das Biwak lädt ein für eine Notübernachtung. Die Klettersteige sind sehr alpin und bieten krasse Tiefblicke. Der Gipfel selbst ist wunderschön. Man muss nur früh genug starten und fit sein für so eine gewaltige Tagestour!
Bergsteigen
Kaj